25Juli
2021

Namibia Teil 2

Da sind wir wieder, wir melden uns bereits von zu Hause, da wir keine Möglichkeit mehr hatten eine größere Menge an Fotos hochzuladen. Aber der Reihe nach. Wir verließen Swakopmund in dichter kalter Nebelsuppe. Der Großteil unserer Strecke in das Erongo-Gebirge sollte über die asphaltierte B2 gehen. Nicht lange nach Swakopmund tauchten allerdings Rauchschwaden auf, die zu einer einen Güterzug ziehen Dampflok gehörten. Als echte Eisenbahner mussten wir natürlich einige Kilometer weiter an die Bahnstrecke heranfahren, um ein Foto von diesem Unikat zu bekommen. Tja, es dauerte eine halbe Stunde bis ganz in der Nähe die Rauchschwaden auftauchten, und dann, nichts, der Zug blieb einfach 200m von unserer Stelle entfernt stehen. Super! Wir wurden im nächsten Städtchen, in dem wir eigentlich nur tanken wollten aber entschädigt, dort waren dann gleich einige Dampfloks mehr zu sehen. Wir entschieden uns, nicht den kürzesten Weg zur nächsten Lodge zu nehmen, sondern die Straße zur Spitzkoppe zu nehmen. Leider war in einiger Entfernung ein Buschfeuer ausgebrochen, sodass ein leichter Smog mit Brandgeruch in der Luft lag. In jedem Fall hatten wir unsere erste Erfahrung mit etwas schlechteren Straßen und wussten nun, warum wir bei Europcar zunächst das Fahrsicherheitsvideo anschauen mussten. Nach der Spitzkoppe dauerte es auch nicht mehr lang bis zur Hohenstein Lodge, die so heißt, weil sie sich am Fuß es Hohensteins befindet. Dies war unsere erste Lodge mit richtigem Sicherheitspersonal, verriegelten Toren und nach dem Tor noch min. 1 km Piste bis zur Unterkunft. Wir wurden herzlich empfangen (wir waren die einzigen Gäste) und gleich mit Mittagessen versorgt. Es bot sich ein herrlicher Ausblick über die Landschaft bis zum Bergmassiv und am Wasserloch vergnügte sich gerade eine Pavianfamilie, wunderbar. Für den Nachmittag buchten wir auch gleich die Nature Excursion, also das volle Programm. Ein bissl über das 4000 Hektar große Gelände fahren, ein bissl wandern und den Sonnenuntergang mit Snacks genießen. Wir waren allein mit unserem Guide, der sehr viel und gut erklärte, und überhaupt sehr sympathisch war. Größere Tiere liefen an diesem Nachmittag leider nicht in unser Blickfeld, dafür bekamen wir aber eine Einführung ins Spurenlesen. Leopardenspuren waren übrigens auch dabei, aber wir sollen uns keine Sorgen machen, auf dem Gelände gäbe es genug Beute, vor allem Paviane mögen sie wohl sehr gerne… na gut. Auf dem hinteren Teil des Geländes waren immer mal wieder Maschinengeräusche zu hören, wie uns erklärt wurde, kamen diese von den Minenarbeitern im Hohenstein, die nach Edelsteinen suchten. Für den nächsten Tag wurde uns zu einer Wandern auf dem Gelände geraten, was wir dankend annahmen, denn wirklich viel Bewegung gab es in diesem Urlaub nicht. Wir nahmen dann den ca. 6 km langen Oryxtrail und wurden nicht enttäuscht. Mal abgesehen von der Landschaft hatten wir sehr schnell eine Straußfamilie bei uns, später gab es noch Springböcke, einen Kudu und dann, 2 Giraffen, eine kleine und eine große. 50 Fotos später hatten wir im letzten Abschnitt unserer Wanderung noch das Vergnügen einen Felsen voller Dassies zu finden. Auch an diesem Abend begaben wir uns mit unserem Guide zu einen Sundownerausflug, diesmal aber nur als Fahrt, dafür bis in die hinterste Ecke des Geländes. In eben dieser hintersten Ecke waren wir ganz nah am Hohenstein und konnten mir unserem Ferngläsern die Minenarbeiter entdecken. Sie hatten ihre Zelte im Geröllhang aufgeschlagen und seilten sich von dort aus mit den Gerätschaften in die Berglöcher hinein. Was für einen Knochenjob, wie uns erklärt wurde, werden die Männer nach Ausbeute bezahlt. Nach unserer letzten Nacht in dieser wundervollen Logde bemerkte ich am nächsten Morgen ein leichtes Unwohlsein. Beim Frühstück war dann klar, ich hatte mir die obligatorische Urlaubs-Magen-Darm-Geschichte zugezogen. Woher auch immer das kommt, Ronald hat sowas nie und es kann auch nix mit Kühlketten zu tun haben, denn ich hing auch schon in Norwegen halbtot in den Seilen. Dummerweise hatten wir einen Fahrtag vor uns und die Straßen waren wirklich die bis dahin schlechtesten. Obwohl Ronald mehr schlich als fuhr ging es nicht ohne mehrmaliges Anhalten.

Unsere nächste Lodge war das Mowani Mountain Camp im Damaraland. Wir hatten eine Art Zelt mit Reetdach, aber total gemütlicher Holzeinrichtung im englischen Stil. Das Zelt war nach vorne offen, sodass sich wieder einmal ein herrlicher Ausblick bot. Zum ersten Mal hatten wir eine Art tropische Nacht, es war verdammt warm und es wehte nur ein sehr laues Lüftchen. Leider konnten wir die geplanten Ausflüge am nächsten Tag nicht wahrnehmen, sodass uns wir einen entspannten Tag auf dem Gelände verbrachten. Nach dem Abendessen war es dann soweit, ich versuchte meiner noch recht neuen Kamera die Königsdisziplin abzuringen, ein Foto der Milchstraße. Wir hatten Idealbedingungen, keine Lichtverschmutzung, kein Mond, keine Wolken, die Milchstraße bereits kurz nach Sonnenuntergang über uns deutlich sichtbar und einen wirklich gut geeigneten View-Point nahe der Rezeption. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich lediglich eine Bridgekamera von Panasonic besitze. Nach einem ersten erfolglosen Versuch, wieder zurück in die WLAN-Zone und nochmaliger Konsultation des Lumix-Forums fand ich endlich die entscheidende Einstellung. So sind wir denn ein weiteres Mal mit Kamera, Stativ und Stirnlampe zum View-Point hoch und diesmal hat es geklappt. Kein Profibild, aber ein eigenes Foto der Milchstraße. Nach unserer warmen letzten Nacht war die folgende nun das gesamte Gegenteil, eiskalt und Nebel am Morgen. Laut dem Manager war das in den letzten Jahren noch nie vorgekommen. Vermutlich auch aus diesem Grund gab es zum Frühstück unter freiem Himmel keine Alternative außer Decken.

Für uns ging es nun in Richtung Etosha. Unterwegs legten wir noch einen kurzen Stopp am versteinerten Wald ein. Wie überall in Namibia verlief alles sehr förmlich mit 3 Listen zum Eintragen und nichts ging ohne Guide. Schon nach 3 Minuten hatten wir unseren Alfons aber ins Herz geschlossen, denn der konnte wunderbar erklären. Als erstes Welwitschas, ich hatte nicht geglaubt, noch welche sehen zu können, aber da wuchsen sie, und wie. Was für eine hochinteressante Pflanze. Der versteinerte Wald besteht aus ca. 280 Mio. Jahre alte Baumstämme, die vom Osten Afrikas angeschwemmt worden waren und unter der Erde begraben, versteinerten. Also wirklich zu Stein gewordenes Holz, aber nicht nur einfach so, sondern teilweise auch kristallisiert. Was für ein Druck und eine Temperatur das verursacht haben muss. Alfons erklärte uns, dass seine Vorfahren sich Teile dieser Steinstämme im Feuer erhitzt und dann in die Hütten zum Heizen gelegt hatten. Insgesamt ein hochinteressanter Stopp und sehr zu empfehlen. Danach ging es direkt weiter zu unserer nächsten Unterkunft, dem Etosha Village. Die Anlage liegt sehr günstig, nur 5 Minuten vom Anderson Gate entfernt. In der Anlage selbst leben einige Kudus, die nach geduldigem Warten auch für Portraitaufnahmen bereitstanden. Und dann war es auch schon soweit, am nächsten Morgen ging es los in den Etosha Nationalpark.

Es waren wirklich nur 5 Fahrminuten bis zum Tor, dort wieder diverseste Formulare ausfüllen, haben Sie Waffen dabei….ähhh, nein. Danach 20 Kilometer bis zur Rezeption in Okaukuejo, Permit bezahlen und noch mal die Toilette benutzen. Toiletten im Park sind nur wenige vorhanden und aussteigen ist nicht erlaubt. Denkt immer dran, der Löwe sieht dich zuerst. Wir hatten uns vorgenommen bis zum Mittag auf Höhe des mittleren Camps zu sein und fuhren alle machbaren Wasserstellen an. Der Vormittag war geprägt von Springböcken, Zebras, Antilopen und ein paar Giraffen. Wir fuhren auch zum Aussichtspunkt über die eigentliche Salzpfanne, irgendwie surreal, bis zum Horizont eine weiße Salzwüste und in der Ferne zwei Strauße. Am Nachmittag stand dann auch unser erster Elefant einsam an einem Wasserloch, auf uns wirkte er etwas älter, jedenfalls hatte er nur noch einen Stoßzahn. Etwas später folgten weitere Giraffen und ein paar mehr Elefanten. Am Nachmittag, nach inzwischen 7 Stunden im Auto waren wir ganz schön fertig, wir entschieden uns aber dennoch, auch das letzte Wasserloch vor unserem Ausgangstor, dem Von Lindequist Gate, anzusteuern. Als erstes fiel uns ein Baum noch vor dem Wasserloch auf, auf dem eine ganze Menge Geier saßen. Wir dachten uns aber nichts dabei und fuhren weiter. Am Wasserloch fanden sich zunächst nur einige Vögel, alles Aasfresser, wie sich später herausstellte, aber zu dem Zeitpunkt waren wir uns der Zusammenhänge noch nicht bewusst. Direkt neben unseren Auto legten sich zwei Schakale schlafen und während ich diese ausgiebig fotografisch festhielt, näherten sich Giraffen, und zwar viele Giraffen. Während wir also warteten, dass sich die Giraffen zum Trinken begaben, was ja immer etwas lustig aussieht, entdeckte Ronald am Rande des Buschwerks ein Nashorn, geil! Wir verbrachten sicher noch eine halbe Stunde am Wasserloch, leider erwies sich das Breitmaulnashorn aber als sehr scheu. Es war schon fast am Wasser, als einige Vögel es durch heftiges Flügelschlagen verscheuchten. Nun gut, wir fuhren also total verstaubt in unsere nächste Unterkunft, der Mushara Lodge. Wir hatten ein wirklich sehr schönes und gemütlich eingerichtetes Häuschen. Als wir nach dem Abendessen, bei dem es, aufgrund der abendlichen Kühle übrigens kuschelige Decken gab, zurückkehrten, die nächste Überraschung. Jemand war da gewesen und hatte nicht nur die Vorhänge zugezogen und das Moskitonetz geschlossen, nein, wir hatten auch Wärmflaschen im Bett, grandios. Für den nächsten Nachmittag hatten wir noch eine geführte Tour gebucht, um nicht ganz einzurosten, liefen wir einmal zum Eingang des Lodgegeländes und zurück. Mehr durften wir nicht, denn es waren in der Vergangenheit ab und an Löwen auf dem Farmgelände zu Besuch gewesen. Den Rest des Vormittags lagen wir in der Sonne und wollten gerade zum Mittagessen aufstehen, als uns klar wurde, warum der Poolbereich eingezäunt war, eine Warzenschweinfamilie stand davor. Nach anfänglicher Panik bei der Sau und zwei Frischlingen gewöhnten wir uns aber aneinander, und während wir auf der Terrasse unser Mittagessen einnahmen, grasten die Schweine keine zwei Meter entfernt auf der Wiese. Danach war es endlich soweit, wir hatten mal wieder einen Guide ganz für uns allein und Solomon war ein Spitzenguide. Wir fuhren als erstes in Richtung des Wasserlochs, an dem wir am Vortag das Nashorn gesehen hatten. Er zeigte auf den Baum mit den vielen Geiern und meinte, die sind wegen der toten Giraffe hier….was denn für einer Giraffe? Da sieht man mal wie blind wir am Vortag waren, lag doch tatsächlich eine tote Giraffe vielleicht 10 Meter neben der Straße und an dieser fraß sich gerade ein Löwe satt. Mal abgesehen, von diesem überaus schrägen Anblick, war für uns Weihnachten und Ostern zusammen. Die Giraffe war Montag an Altersschwäche gestorben, zumindest war sie bereits sehr alt (erkennt man an der dunklen Farbe des Fells) und die Ranger hatten Montag keine äußeren Verletzungen entdecken können. Seitdem hatten Hyänen die Bauchdecke geöffnet und die Organe gefressen. Als wir dort waren, war die Leichenstarre noch nicht vorbei, d.h., wir sahen eine Giraffe mit offenem Bauch, in dem ein Löwe seinen Kopf versenkt hatte und ein Bein stand grotesk in der Luft. Der Löwe war lt. den Meldungen, die alle untereinander austauschen schon seit dem Morgen dort und so dick sah auch sein Bauch aus. Wir drehten eine kurze Runde, bei der uns unser Guide auf die Damara Dik-Diks hinwies, die wohl niedlichste Antilopenart, die wir je gesehen haben. Wieder zurück bei Löwe und Giraffe war dieser wohl erstmal satt und legte sich gerade zur Ruhe. Wir fuhren zu einem Wasserloch, an dem wir am Vortrag nicht gewesen waren und da stand erneut ein Elefant. Während wir fotografierten, hörte man in einiger Entfernung ein Grollen. Solomon nahm sofort sein Fernglas zur Hand und entdeckte zwei weitere Elefanten zum Wasserloch kommen. Wir warteten also. Elefant Nummer 1 verdrückte sich nach Sichtung der beiden Neuankömmlinge recht schnell, was bei unserem Guide ein Lächeln hervorrief, denn das bedeutete, es kommen noch mehr und er gehörte nicht zu dieser Gruppe. Und tatsächlich, nach und nach kamen immer mehr Elefanten zum Wasserloch, die sich wegen der vielen Babys rechts langsam bewegten. Am Ende standen vielleicht 25 Elefanten im Wasserloch, wieder der Wahnsinn. Nachdem die Elefanten wieder weg waren fuhren wir weiter. Es dauerte nicht lange und Solomon entdeckte ein Nashorn. Wir warteten, es bewegten sich zwar immer hin und her, aber es kam der Straße immer näher und am Ende überquerte es diese genau vor unserem Fahrzeug. Auch diesmal war es ein Breitmaulnashorn, welche als scheu gelten. Absolute Vorsicht ist hingegen bei den Spitzmaulnashörnern geboten, diese sind von Natur aus aggressiv. Danach ging es weiter und wir entdeckten eine Gruppe Giraffen, die vom einem Sekretär-Vogel begleitet wurde. Dieser ging nachdem er uns entdeckt hatte in einen schnellen Laufschritt über und während wir versuchten dies bildtechnisch einzufangen, lief uns doch tatsächlich eine Giraffe durchs Bild. Nach diesen ganzen Eindrücken ging es zurück in die Lodge. Die Fahrt mit Solomon hatte sich voll gelohnt. Nach dem Abendessen erwartete uns wieder die Wärmflasche im Bett, aber auch noch eine andere Überraschung. Ich zog einen Vorhang nochmal kurz zurück um zu schauen, ob das Fenster offen war, dachte kurz, oh, afrikanischer Wandschmuck, eine Sekunde später, Moment, vorhin war da kein Wandschmuck und rief dann sofort Ronald hinzu. Unter dem Fenster saß eine große dicke Eidechse, die sich auch nur sehr widerwillig aus dem Raum schaffen ließ. Damit war unser Besuch des Etosha vorbei , nun ging es in eine ganz andere Landschaft, zum Okavango.

Aufgrund der langen Fahrstrecke und mangels nennenswerten Haltepunkten fuhren wir durch bis nach Rundu, dort hatten wir eine Nacht in der Hakusembe River Lodge. Das Areal sah mit seiner grünen Wiese und den hohen Bäumen wirklich ganz anders aus. Die Lodge liegt direkt am Fluss, was hier die Grenze zu Angola bedeutet, das hieß, wir schauten direkt auf ein anderes Land. Um einen ersten Eindruck zu gewinnen, hatten wir uns für den Bootsausflug zum Sonnenuntergang entschieden. Mit uns im Boot saß eine 4köpfige Motoradgruppen, die Herren waschecht mit grauen Zöpfen, die sich als Hobbyornitologen herausstellten und bei jedem Vogel in Verzückung gerieten. Unser Bootsausflug brachte mir nicht nur vier Gläser Champagner (so schnell konnte man gar nicht schauen, wir unser Skipper die Glaser nachfüllten, bzw. den Herren neue Bierflaschen hinstellte) und leckere Snacks, sondern auch einige Krokodil- und schöne Vogelsichtungen. Außerdem waren wir etwas unangenehm berührt, denn zu dieser Zeit erledigten nicht wenige angolische Flussanwohner ihre Abendtoilette, also sich selbst und ihre Sachen im Fluss zu waschen. Es war als schaut man jemandem ins Badezimmer. Gleichzeitig wird einem mal wieder das Privileg, in Europa geboren zu sein und immer Zugang zu fließendem Trinkwasser zu haben bewusst. Nach dieser Auftaktübernachtungen fuhren wir weiter am Fluss entlang.

Unser nächstes Ziel war das Divava Okavango Spa & Ressort. Uns erwartete eine sehr schöne Anlage, fast schon, wie im tropischen Südostasien und sehr viel Aufmerksamkeit, denn wir waren die einzigen Gäste (was ich unfassbar traurig fand). Wir unternahmen am Nachmittag noch eine geführte Pirschfahrt im vorderen Teil des Bwabwata Nationalparks und konnten unsere ersten Nilpferde und einen Wasserbüffel bewundern. Unser Guide war sehr bemüht, noch einen Leoparden ausfindig zu machen, aber außer Pfotenabdrücken war nichts zu sehen, am Ende nur noch zwei Elefantenrücken im Dickicht. Am kommenden Tag ließen wir es so richtig krachen, Ronald war am Morgen angeln (Fische gab es zwar keine, dafür aber viele Flusspferdsichtungen), danach Massagen im Spa und am Nachmittag noch eine Bootsafari. Unser Guide erläuterte uns gleich zu Beginn die wichtigsten zwei Regeln, ein Fels im Wasser, der Ohren hat, ist ein Hippo, ein Hippo im Wasser ohne Ohren ist ein Fels. Wir waren vielleicht 10 Minuten gefahren, als Josef, unser Guide, Hippos im Gras entdeckte. Es war ein Baby dabei, das sich gut fotografieren ließ, dann aber hinter seine gewaltige Mutter rannte. Wir wollten auch nicht weiter stören und erfreuten uns weiter an Krokodilen, schönen Vögeln und weiteren Flusspferden im Wasser. Den Sonnenuntergang verbrachten wir mit gutem Rotwein und ein paar Snacks an den Popa-Fällen. Eigentlich sind es eher Stromschnellen, aber dennoch sehr schön anzusehen. Am nächsten Tag ging es weiter nach hinten, Richtung des Dreiländerecks Botsuana-Namibia-Sambia.

Während der Fahrt, auf der Asphaltstraße durch den Nationalpark, waren auch immer wieder Siedlungen zu sehen und sehr viele Menschen, die mit Wasserkanistern unterwegs waren, um Wasser zu holen. Die Armut an dieser Straße war bedrückend. Wir verbrachten wieder zwei Nächte in unserer nächsten Lodge, der Namushasha River Lodge. Von unsrem Balkon aus hatten wir einen sehr guten Ausblick auf das Überschwemmungsgebiet des Okavango, oder Chobe, oder Sambesi (je nach Ort, heißt der Fluss immer mal anders). In Sichtweite plantschte eine Gruppe Flusspferde, hach ja. Irgendwann gesellte sich eine Katze zu uns, die immer wieder erbost nach oben schaute. Was wir für Vogelgekrächze gehalten hatten, entpuppte sich als Ockerfußbuschhörnchen, was seinerseits erbost auf die Katze nach unten schaute, dabei aber sehr niedlich aussah. Am nächsten Morgen hieß es verdammt früh aufstehen, denn wir wollten noch ein letztes Mal auf Safari, sechs Stunden durch den Nationalpark. Gleich zu Beginn standen wir neben drei Wasserbüffeln. Unser Frühstück sollte an einer Wasserstelle namens Horseshoe stattfinden aber auf dem Weg dorthin trafen wir auf eine riesige Gruppe Paviane, inklusive Kindergarten. Was für ein Getobe, herrlich. Danach gab es Frühstück an der immer noch sehr kühlen frischen Luft, mit Campingtisch und -stühlen. Im weiteren Verlauf sahen wir zahlreiche Antilopen und dann entdecke ich auf einem Baum vor uns einen afrikanischen Fischkopfadler, der sich von uns glücklicherweise nicht stören ließ. Eine Wildkatze gab es leider auch diesmal nicht, dafür noch ein paar neue Vogelbilder. Am Nachmittag unternahmen wir noch einmal einen Bootsausflug und ich konnte auch endlich noch ein Flusspferd mit aufgerissenem Maul fotografieren. Insgesamt gab es aber nach jeder Flussbiegung eine Gruppe Hippos im Wasser. Nach diesem letzten ausfüllenden Tag am Okavango standen zwei lange Fahrtage bevor. Ursprünglich wollten wir ab hier eigentlich weiter nach Botsuana und dann zu den Victoria Wasserfällen. Bedingt durch die Pandemie haben wir diese Grenzübertritte aber ausgelassen, um stattdessen noch einen weiteren Teil Namibias zu erkunden.

Am ersten Tag ging es in einem Rutsch zurück zur Hakusembe River Lodge und am Folgetag weiter in die Waterbergregion, zusammen ca. 900 km. Am Waterberg waren wir auf der Waterberg Guestfarm untergebracht. Der Weg zu unserem Bungalow war zwar nicht der einfachste, dafür hatte man viel Privatsphäre und einen phänomenalen Blick auf den Waterberg vom Bett aus. Auch diese Unterkunft bot einen Wanderweg, einen Trail auf den kleinen Waterberg. Wir zogen nach Ankunft sofort die Wanderschuhe an und machten uns auf den Weg. Kurz vor Einstieg in den Trail schossen die drei Hunde der Farm aus dem Haupthaus raus und vor uns auf den Weg. Die Hunde warteten zwar immer mal wieder, ob wir auch nachkommen, machten ansonsten aber keine Anstalten auf uns zu hören, wie auch, wir kannten ja nicht mal deren Namen. Es waren zwei Rhodesian Ridgebacks und ein Jack Russel Terrier. Der kleine Hund musste immer mal wieder pausieren und wir warteten dann. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir oben auf dem Plateau, genossen die Aussicht und teilten unser Wasser mit den Hunden, glücklicherweise hatten wir 2,5 l dabei. Auf dem Rückweg waren wir den Drei dann aber wohl zu langsam, diesmal warteten sie nicht, ob wir auch nachkommen. Am nächsten Tag mussten wir zunächst nach Otjiwarongo zum PCR-Test für die Rückreise, auch hier Zettelwirtschaft. Insgesamt ging es aber sehr schnell, sodass wir rechtzeitig für einen letzten großen Ausflug mit Guide zurück waren. Zunächst ging es mit Vollgas im Geländewagen über das Farmgelände zum CCF – Cheetah Conservation Fund. Dort kümmert man sich um nicht in der freien Natur überlebensfähige Geparden. In der Regel sind das Tiere, die sehr früh verwaist sind. Geparden leben nämlich 4 Jahre mit der Mutter zusammen, um alles zu lernen, werden sie, warum auch immer, von der Mutter getrennt, bevor sie 6 Monate alt sind, haben sie weder das Jagen gelernt, noch, wie sich vor Feinden schützen. Die Geparden bleiben dann ihr Leben lang dort, da sie nun gelernt haben, dass Menschen ihnen Futter bringen und damit zu einer Gefahr werden können. Im Anschluss erkundeten wir noch die kleine Serengeti am Waterberg, ein Hochgebiet für Geparden und Leoparden. Wir blieben bis Sonnenuntergang, aber leider wieder keine Leoparden. Lag vermutlich am Vollmond, der mangels Wolken die Nacht zum Tag gemacht hat. Nachteil unseres langen Aufenthalts war eine eisige Rückfahrt.

Am nächsten Tag ging es zurück zum Voigtland Guesthouse, dabei konnten wir auch noch einen kurzen Blick in die Hauptstadt Windhoek werfen. Kurz nach Ankunft in der Unterkunft erhielt ich meinen Negativbefund vom PCR-Test. Überglücklich füllte ich die Einreiseanmeldung für Deutschland aus und wollte gleiches auch für Ronald tun. Leider lag sein Ergebnis noch nicht vor und kam auch bis zum Abend nicht. Unsere Gastgeber beruhigten uns damit, dass in der vergangenen Woche bei 3 Paaren dasselbe passiert sei, ein Ergebnis kam deutlich später als das andere. Leider war am nächsten Morgen immer noch nichts da und unser Rückflug ging 13:20 Uhr. Kurz nach 9 Uhr rief ich bei Pathcare an, die Dame bat uns, sofort zur Hauptniederlassung nach Windhoek zu fahren, um den Befund ausdrucken zu lassen, mir schien es nicht so, als wäre sie sonderlich überrascht. Wir packten also in Windeseile unsere Koffer flugfertig und fuhren los. Das Ausdrucken verlief ohne Probleme, im Gegenteil, man druckte auch meinen Befund gleich mit aus, weil die Mitarbeiter am Flughafen lieber Papier sehen, aha, weil auch jeder Reisende einen Drucker dabei hat. Am Ende waren wir rechtzeitig am Flughaften, beide ausgestattet mit Negativbefunden und digitaler Einreiseanmeldung für Deutschland und flogen über Johannesburg zurück nach Hause.     

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

07Juli
2021

Unsere Reise nach Namibia

Wo fängt man in dieser Zeit eigentlich an. Ja, wir sind unter pandemischen Umständen geflogen, aber wir haben es einfach gebraucht. Unser Flug ging via Frankfurt am Main von München nach Windhoek. Ausgestattet mit gefühlten 100 Dokumenten, alle 3mal kopiert ging es am 02.07. los. Aus Vorsichtsgründen hatten wir diesmal Premium Economy gebucht, aber, das Flugzeug war nur zu rund einem Viertel gefüllt. 10 Reihen hinter uns saß niemand und in der 4er Mittelreihe, aber nicht auf unserer Seite, zwei Amerikaner. Der Flug war recht entspannt, wir haben erstmals tatsächlich geschlafen. In Windhoek angekommen schlug uns erst einmal Kälte entgegen, aber es ist ja auch Winter auf der Südhalbkugel. Da es an diesem Morgen nur 2 ankommenden Flüge gab, was das Gepäck schnell geholt, danach Mietwagen in Empfang nehmen (ein Toyota Fortuner) und eine Prepaidkarte von MTC für die nächsten drei Wochen gekauft.

Danach ging es auch schon zur ersten Unterkunft, dem Guesthouse Voigtland, 20km vor Windhoek. Wir wurden herzlich empfangen, mit einem kleinen Frühstück versorgt und durften auch gleich die hauseigenen Giraffen füttern. Wir waren die einzigen Gäste an diesem Tag und entschlossen uns, für den Nachmittag eine Rundfahrt auf dem ca. 7000 Hektar großen Grundstück in Anspruch zu nehmen. Ausreichend ausgeruht und im Weiteren Verlauf mit einem leckeren Mittagessen versorgt, hatte ich genügend Zeit einige der zahlreichen Vogelarten fotografisch einzufangen. Auch die Ausfahrt am Nachmittag erwies sich als toller Einstieg in den Urlaub, Zebras, Springböcke, Warzenschweine, Affen, Schakale und einen Oryx in weiter Ferne, es war reichlich was geboten. Auf dem höchsten Punkt des hauseigenen „Gartens“ wurden uns ein Aperol Spritz gereicht und dazu Chips….wir waren begeistert. Das Abendessen ließ nichts zu wünschen übrig, Oryxsteak als Hauptgang, hervorragender Wein und ein pinker Gintonic zum Abschluss. Krönender Abschluss unseres ersten Aufenthalt in diesem Guesthouse war das richtige Frühstück am nächsten Morgen, Birchler-Müsli, Chiapudding, hausgemachter Quark, alles wirklich hervorragend. Das ganze übrigens begleitet von einer Schar Papageien.

Nach einen ganz kurzen Zwischenstopp in einem Supermarkt in Windhoek begaben wir uns auch schon in Richtung Sossusvlei. Nach zahlreichen Empfehlungen haben wir den Weg über den Spreetshoogte Pass gewählt. Bis dahin hieß es erst einmal, gewöhnen an sehr einsame Schotterpisten, denn kurz nach Windhoek war es vorbei mit der Asphaltstraße und anderen Verkehrsteilnehmern. Bis zum Pass verlief die Strecke auch recht ereignislos, da wir im Winter, also in der Trockenzeit unterwegs sind, hab es keine wassergefüllten Rinnen oder sonstige Hindernisse zu überwinden. Dann kam der Pass und uns stockte der Atem, was für eine Aussicht, Ronald musste einige Male zum fotografieren anhalten (was kein Problem war, denn wir waren immer noch allein). Nach dem Pass ging es zur berühmten Tankstelle in Solitaire, aber wir gönnten uns keinen Apfelkuchen, sondern eher ein Eis. Nicht lange danach waren wir auch schon angekommen, in unserer nächsten Unterkunft, der Sossusvlei Lodge. Wir hatten ein Chalet mit direktem Blick in die Landschaft und konnten mit Sonnenuntergang tatsächlich einige Tiere in weiter Ferne ausmachen. Auch hier ein hervorragendes Abendessen, das Fleisch, das man wählt, wird frisch auf dem Grill gebraten. Beim Dessert angekommen nahmen wir im Augenwinkel Bewegungen am hauseigenen Wasserloch wahr und tatsächlich, zwei Schakale und zwei Oryxe waren im beleuchteten Bereich zu sehen. Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn wir hatten eine Tour ins Sossusvlei/Deadvlei gebucht und die ging 7:30 Uhr los. Wir waren die einzigen Teilnehmer, was uns aber gar nicht gestört hat. Glücklicherweise lagen im offenen Offroad-Kleinbus Decken aus, denn vor Sonnenaufgang ist es einfach nur saukalt im Winter in der Wüste. Nachdem wir den Sonnenaufgang betrachtet hatten, dauerte es auch nicht mehr lang, und wir erblickten die ersten Tiere, Springböcke und danach Oryxe, und zwar viele. Glücklich über die ersten ordentlichen Fotos in freier Wildbahn lebender Tiere, die man sonst nur im Zoo sieht, ging die Fahrt weiter zur berühmten Düne Nr. 45. Diese Düne ist DAS Fotomotiv, ich ließ mich aber ablenken, denn im Baum neben der Düne saß ein sehr fotogener Greifvogel, der auch ganz ohne Überredung wunderbar in die Kamera geschaut hat. Nach 60 km war die Asphaltstraße zu Ende und wir fuhren in den sandigen Teil der Strecke bis zum hintersten Parkplatz. Dort servierte uns unser Guide erst einmal das mitgenomme Frühstück. Kurz darauf ging sie auch schon los, unsere ca. 1 km lange Dünenwanderung ins Deadvlei. Dieses hatten wir komplett für uns allein, also viel Zeit zum Fotografieren dieses bizarren Stückchens Erde. An dieser Stelle möchten wir gern betonen, wie leid uns die aktuelle Situation für die ganze Branche vor Ort tut, auf der anderen Seite haben wir die Einsamkeit aber auch sehr genossen. Nach dem Deadvlei zeigte uns unser Guide noch das Sossusvlei. Aufgrund der heftigen Regenfälle zu Beginn des Jahres war noch immer ein ordentlicher See mitten in der Wüste vorhanden. Auf dem sehr windigen Rückweg begleiteten uns wieder einige Oryxe und in einiger Entfernung auch Gnus. Nach dem folgenden entspannten Tagesausklang, ging es am nächsten Tag weiter nach Swakopmund.

Nach zwei Pässen verlief die Straße recht gerade auf die Küste zu und irgendwann fragten wir uns, was es mit dem Gebilde am Horizont auf sich hatte…ich tippte auf das Meer. Leider war dem nicht so, es handelte sich um eine dichte Nebelsuppe. Ich hatte einen Zwischenstopp in Walvis Bay eingeplant, da die Beschreibungen der Lagune vor allem Flamingos versprach. Wir hatten keine Probleme direkt an der Lagune einen Parkplatz zu bekommen und wussten auch bald darauf warum, es war saukalt. So sind wir auch nur 100 m weit gelaufen, schnell die anwesenden Flamingos samt Jungtiere fotografisch festgehalten und sofort zurück ins Auto. Leider wurde das Wetter bis Swakopmund nicht besser und so gönnten wir uns zunächst eine heiße Dusche in unserem Domizil, der Villa Margherita und schlüpften dann in die wärmsten Klamotten, die wir mitgenommen hatten. Diesmal hatten wir keine Halbpension und so blieben uns nur einige wenige Restaurants, die TakeAway anboten. Nach einem kurzen Spaziergang durch eine gespenstisch menschenleere Stadt und denkwürdigen Begegnungen mit bettelnden Menschen an der Strandpromenade kehrten wir auf kürzestem Weg in unser Guesthouse zurück. Gott sei Dank haben wir auf vorherigen Reisen viel gelernt und waren nur mit sehr wenig Bargeld unterwegs, die Bettler waren wirklich aggressiv und wie schon gesagt, es waren nur sehr wenige andere Menschen unterwegs. Gegen 18 Uhr holten wir unser vorbestelltes Essen beim Old Sailor ab. Auch hier hat der Lockdown etwas Gutes, dieses Restaurant hätten wir vorher nicht in Erwägung gezogen, aber es war wirklich gut. Für den nächsten Tag stand wieder eine Tour auf dem Programm, wir hatten bei Tommyˋs Living Desert gebucht und waren begeistert. Mit unseren beiden sehr engagierten Guides, Andrew und Bianca erkundeten wir die Namib-Wüste zwischen Swakopmund und Walvis Bay auf der Suche nach dem Leben. Diesmal waren wir nicht allein, allerdings verteilten wir uns auf 2 Fahrzeuge und wir saßen zusammen mit einer Fotografin aus Washington D.C. im Auto. Wir erfuhren sehr viele interessante Sachen und konnten einen Gecko, ein Chamäleon, den dort heimischen Käfer sowie sehr putzige und zutrauliche Vögel live sehen. Gesehen haben wir auch diverse Spinnen- und Mäuselöcher, deren Bewohner blieben aber zu Hause. Zum Abschluss gab es eine Offroadfahrt durch die Dünen zurück zur Küstenstraße. Da es vermutlich die einzige Gelegenheit in diesem Urlaub war, bestellten wir auch diesem Abend beim Old Sailor, wobei ich mir diesmal einige Austern mehr gönnte.

Mal schauen, wann wir uns das nächste Mal melden, die Netzabdeckung ist leider nicht die Beste.

12Sept
2020

Eine Woche Kreta

Eigentlich wollten wir Ende April bei frühlingshaften Temperaturen nach Kreta, aber nun wurde es Anfang September bei recht konstanten 30 Grad. Vielleicht gleich zu Beginn, wie war die Reise unter Coronabedingungen - eigentlich ziemlich entspannt. Der Flug mit Lufthansa war gut organisiert, die Einreise nach Griechenland lief mit unseren QR-Codes problemlos. Heraklion haben wir nicht besucht, da dort Maskenpflicht auch im Freien galt, was wir uns bei den Temperaturen nicht antun wollten. Ansonsten verhalten sich die Griechen und auch die Touristen aber alle sehr diszipliniert. Als Unterkunft hatten wir ein Ferienhaus gemietet, daher kann ich nicht sagen, wie es einem Hotel zugegangen wäre. Insgesamt war sehr wenig los, gut für uns, aber natürlich schlecht für den Tourismus auf der Insel. 

Wir hatten bei Agni Travel die Villa Arda als Unterkunft gebucht. Das Haus liegt sehr ländlich im Nichts zwischen den Örtchen Vamos und Litsarda, wir können es aber absolut empfehlen. Sehr sauber mit eigenem kleinen Pool in einem grandiosen Garten. Neben Oliven- und Granatapfelbaum beherrschten Rosmarin, Salbei, Thymian und Oregano den Garten, was für ein wunderbarer Duft. Ein Mietwagen ist auf Kreta empfehlenswert, am besten auch mit Vollkasko. Es kam nicht selten vor, dass wir in engen Dorfgassen in Richtung Gebüsch ausweichen mussten. Bis auf einen Tag waren wir jeden Abend in einer Taverne oder einem Restaurant essen. Das Essen ist unglaublich günstig, durchgehend lecker und üppig. Wer auf Diät ist, hat auf Kreta definitv ein Problem, bereits der Vorspeisensalat reicht für vier. Bedenken sollte man auch, dass mit Verlangen der Rechnung immer noch ein Dessert kommt, wenn man Glück hat, kommt nur Raki mit Wassermelone (die passte immer noch rein), manchmal kam aber auch Schokokuchen mit Vanilleeis. Da blutet wirklich das Herz, wenn nichts mehr geht. 

Aufgrund der hohen Temperaturen haben wir das ursprünglich geplante Kulturprogramm doch nicht durchgezogen, dafür -für uns ungewöhnlich- fast täglich Zeit am Strand verbracht. Nach unserer Anreise am Samstag ging es Sonntag gleich zum Kloster Arkadi, dem Nationalheiligtum Kretas. 1866 sprengten sich hier 964 Kreter in die Luft und legten damit den Grundstein für die Befreiung der Insel von der osmanischen Herrschaft. Danach haben wir uns die Stadt Rethymno angeschaut, d.h., einmal auf den Leuchtturm gelaufen, danach auf die Fortezza, eine ehemalige venezianische Burg und dann waren wir auch schon derart durchgeschwitzt, dass wir den eigentlich auch noch für den Nachmittag geplanten Besuch von Chania auf den nächsten Tag verschoben haben. Auf jeden Fall gelangten wir gleich an diesem ersten Tag zu der Erkenntnis, dass wir das Haus von nun an nur noch mit voller Strandausrüstung verlassen werden.

Wie beschlossen war Chania das Ziel für Montag. Auch hier wartete ein imposanter Leuchtturm auf einen Besuch, allerdings war es diesmal um einiges anstrengender. Hinter der Mauer wehte kein einziges Lüftchen und der Weg ist nicht gerade geeignet für FlipFlops. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit sehr guten Eiern Benedict bummelten wir noch etwas durch die Stadt und die Markhalle und beschlossen dann die Strandausrüstung zu benutzen. Wir sind zum Agii Apostoli Strand gefahren, ein sehr netter Strand in einer schönen Bucht. 

Für Dienstag war der Strand von Elafonisi unser Endziel, auf dem Weg dorthin hatten wir uns noch die Agia Sofia, eine Tropfsteinhöhle und das Kloster Christoskalitissa vorgenommen. Leider schien die Sonne der letzten Tage zu stark gewesen zu sein, der Kopf war nicht richtig bei der Sache. An der Höhle angekommen stellte ich nicht nur fest, dass FlipFlops kein geeignetes Schuhwerk sind, auch stand im Reiseführer klar und deutlich drin, dass man für die Höhle eine eigene Taschenlampe braucht...vorher genau lesen, wäre gut gewesen. Genauso ging es am Kloster weiter, Strandkleid zählt jetzt nicht gerade in die Kategorie 'angemessene Bekleidung', oder? Von außen macht das Kloster auf jeden Fall einen imposanten Eindruck. Immerhin, für den Strand waren wir passend gekleidet. An dieser Stelle waren wir nicht ganz unfroh darüber, dass aktuell wesentlich weniger los ist als sonst. Der Strandparkplatz ist riesig und unübersichtlich, wir haben uns Wegpunkte gemerkt, um später das Auto wieder zu finden. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie voll dieser Strand in normalen Zeiten ist. Der Strand ist wirklich wunderschön, nach der berühmten pinken Farbe muss man etwas Ausschau halten. Was es hier aber nicht gibt, ist Schatten, länger als 30 Minuten war es in der sengenden Sonne nicht auszuhalten. 

Unser zweites großes Kulturhighlight stand am Mittwoch auf dem Plan, Knossos. Der Tag war perfekt geeignet, es war etwas kühler und leicht bewölkt. Ich hatte mit Warteschlangen gerechnet, da nur eine maximale Anzahl von Besuchern gleichzeitig rein darf, aber, es war nicht sonderlich viel los. Wir konnten sehr entspannt über das Gelände schlendern, eine Wartezeit gab es lediglich bei der Besichtigung des Thronsaals. Bei Knossos spalten sich ja etwas die Meinungen, wir fanden es gut gemacht, und, wir fanden es auch nicht schlimm, trotz einiger coronabedingter Einschränkungen den vollen Eintrittspreis zu zahlen, schließlich soll das Gelände ja auch weiter erhalten bleiben. 

Donnerstag und Freitag ließen wir es dann recht ruhig ausklingen. Am Donnerstag waren wir mit Captain Nick in Chania schnorcheln. Auch hier eine volle Empfehlung von uns. Nick ist sehr sympatisch und versucht, aus allen Situationen etwas zu machen. Unsere Situation war immer noch windiges Wetter und damit Wellengang. Eigentlich hätte er zwei kleine Inseln vor Chania ansteuern wollen. Zunächst eine Fahrt um Thodorou, auf der die sehr seltene Krikriziege lebt und dann nach Lazaretta zum Schnorcheln. Thodorou konnten wir leider nicht ansteuern und das Schnorcheln vor Lazaretta war etwas abendteuerlich, da sich einige Felsen im Wasser befinden. Trotzdem, ich hätte das den ganzen Tag machen können. Captain Nick hat bei seinem eigenen Schnorchelgang am Ende auch noch einen Tintenfisch finden können. Aufgrund des Wellengangs war das Schwimmen nicht ganz unanstrengend, sodass wir zurück an Land, gleich das erste Restaurant ansteuerten. Ein Glück für mich als Muschelfan, es gab Muscheln in einer himmlischen Weißwein-Senf-Sauce, muss ich versuchen nachzukochen. Freitag wollten wir schließlich noch den Süden der Insel ansteuern. Eigentlich war eine Kombi aus Kulur und Strand geplant und der Ort Frangokastello schien perfekt geeignet. Der Weg dahin war unglaublich schön, einmal die Berge hoch und auf der anderen Seite wieder herunter, Serpentinen, soweit das Auge reicht. Auf dem Weg nach unten hatten wir Gelegenheit einige Blicke auf die Imbros-Schlucht zu werfen, die wir eigentlich zu Fuß hatten erkunden wollen. Mehre Kreta-erfahrene Kollegen hatten mir hiervon aufgrund der Sonneneinstrahlung und Hitze zu dieser Jahreszeit aber abgeraten. Was wir nun aber wissen, um den Rückweg nach der Schlucht braucht man sich keine Sorgen zu machen, so ziemlich jede Taverne bietet einen Rücktransport an. Unten angekommen, mussten wir unseren Kulturteil streichen, das Kastell befindet sich nämlich in Restauration. Zur Entschädigung wartet direkt unter dem Kastell aber ein wunderschöner Strand. Wieder war wenig los und für 2 EUR haben wir uns diesmal auch Sonnenschirme gegönnt. 

Unser Gesamtfazit, eine Woche Kreta ist zu kurz, den Osten der Insel haben wir uns nicht angeschaut, hier hätten wir auch eine andere Unterkunft gebraucht. Die Fahrzeiten sind doch länger als gedacht. 

27November
2019

Auckland

Und nun der letzte Beitrag aus Neuseeland. Unsere letzte Etappe bis nach Auckland hatte es nochmal ganz schön in sich mit 4 Stunden Fahrtzeit ohne Pausen. Nach einem Tankstopp kurz nachdem wir losgefahren waren bekam ich tatsächlich noch das putzige Vögelchen vor die Kamera, was einem im Norden ständig vor dem Auto auf der Straße herumhopst. Die Tage zuvor war ich nie schnell genug gewesen. Ich nahm das als Omen und hatte das Gefühl, heute könnte es noch mal was werden mit guten Fotos. Ich konnte Ronald davon überzeugen, einen Umweg in Kauf zu nehmen, um nochmals über die Gravelroad vom Vortag zu fahren. Hier waren mir ja sowohl ein Paar Pukekos, als auch der kleine Papagei durch die Lappen gegangen. Voller Euphorie saß ich Kamera bereit auf dem Beifahrersitz, bis das erste Auto vor uns auf die Straße bog und wir in eine Staubwolke gehüllt hinterher fuhren…na, toll. Irgendwann bog es zwar ab, aber es dauerte nicht lange und uns kam ein weiteres Fahrzeug entgegen, wodurch natürlich alles verscheucht sein musste. Wir legten uns auch nochmal auf dem Parkplatz vor dem Kauriwald auf die Lauer, aber nix. Total enttäuscht versuchten wir es dennoch weiter über jede sich anbietende einsame Straße, leider gab es nur Truthähne. Etwas frustriert fuhren wir dann doch weiter. In Auckland verpassten wir einen Abzweig, worauf uns das Navi auf einer sechsspurigen Straße einen U-Turn vorschlug…so landen also Autos in Seen oder U-Bahn-Stationen. In Auckland waren wir im ruhigen Stadtteil Eden-Village untergebracht, hier sieht alles sehr englisch aus und so war ich auch keineswegs überrascht, als uns eine ältere Dame mit knallrotem Lippenstift, Perlenkette, schmutzigen Knien und Gartenhandschuhen die Tür öffnete. Stil muss sein, auch, wenn man gerade den Garten umgräbt. Das letzte Zimmer hatte auch alles was das Rosamunde-Pilcher-Herz begehrt, Blumengardine, blumige Lampenschirme, kleiner Kristallleuchter, goldumrahmter Spiegel, usw. Da wir in Auckland nicht viel Zeit hatten, beschlossen wir noch am Nachmittag auf den Mt. Eden, einem alten Vulkan, zu spazieren, denn der lag gleich vor der Haustüre. Von oben hat man eine phantastische Sicht auf Auckland. Nachdem wir vom Gipfel, dem Kraterbereich, alle Fotos in der Tasche hatten, nahmen wir einen anderen Weg zurück. Wir kamen an einem Café vorbei, neben dem ein weiteres Plateau sichtbar war. Ronald bestand darauf, dass wir da auch noch mal hochliefen und ich werde ihm dafür ewig dankbar sein. Wir waren nur einige Schritte weit gegangen, als ein Papagei an uns vorbeiflog. Beim Versuch ihn zu finden, entdeckten wir einen zweiten in einem Baum und danach einen im Gras. Ich wollte eigentlich mit meiner Kamera noch ein wenig weiter laufen, als ich meinen Augen nicht traute. Auf dem Plateau waren nur wenige Wege etwas gemäht worden, im restlichen höheren Gras saßen eine Menge Papageien, ebenso wie in den Büschen. Ich knipste was das Zeug hielt, das gute Gefühl hatte am Ende also Recht behalten. Glücklich stiegen wir wieder herunter und suchten uns ein Restaurant, es gab trockenes Steak, das beim Kauen immer mehr wurde. Aber, immerhin, die Beilagen waren gut ;-).

An unserem vollen Tag in Auckland wollten wir natürlich die City erkunden. Nach einer ausführlichen Beratung durch unsere Gastgeber am Frühstückstisch entschieden wir uns für das, was wir auch jedem München-Touristen empfehlen würden, den HopOn-HopOff-Bus. Nicht nur, dass er unweit unseres B&B eine Haltestelle der großen Runde hatte, er war auch preiswerter als in München und beinhaltete auch ein Hin- und Rück-Ticket für die Fähre nach Devonport. Da wir erst die zweite Haltestelle der großen Runde waren, kurvten wir erst mal durch den Süden von Auckland. Vor dem Zoo stapfte ein Pukeko über die Wiese…ähh, was macht der hier? An der Haltestelle Zoo zwei weitere Pukekos. Ich versuchte aus dem Fenster heraus zu fotografieren, was mir misslang. Auf dem Weg zum Verkehrsmuseum, weitere von den Vögeln. Wir entschieden auszusteigen und mit dem nächsten Bus weiter zu fahren. In dem Park zwischen Zoo und Museum war alles voll von Pukekos (auch mit Küken), Enten, Gänsen, Kaninchen und Schwänen. Tja, hier scheint es ja auch die Tiere in die Großstand zu ziehen...fragt aber nicht, wie es an manchen Stellen in dem Park gerochen hat. Nachdem uns der Bus in der Innenstadt abgesetzt hatte, stellten wir schnell fest, dass Auckland zur Zeit mehr eine riesige Baustelle als besonders schön ist. So verdrückten wir uns auch gleich nach den obligatorischen Nahaufnahmen des Skytowers in Richtung Hafen. Wir hatten Glück, die Fähre 12:30 Uhr hatte Verspätung, sonst hätten wir eine Stunde warten müssen. Devonport bietet eine nette Straße mit Geschäften und Restaurants, den einfach zu besteigenden Mt. Victoria (wieder Vulkan) und eine gute Sicht auf Auckland von der anderen Seite. Wir haben erstmal eine Mittagspause eingelegt, denn es kam langsam ein Hüngerchen auf. Ich bestellte mir noch mal die großen grünen Muscheln mit der leckeren Knoblauch-Weißwein-Soße, Ronald wollte eine kleine Portion Nachos. Da die Neuseeländer beim Essen keine halben Sachen machen, bestand Ronalds Essen aus einer Schicht Nachos, einer Schicht Hackfleischsoße, einer Schicht Guacamole und einer Schicht Sauerrahm. Gut gestärkt spazierten wir also noch auf den Mt. Victoria und bestaunten die Aussicht. Danach ging es auch schon zurück zur Fähre, denn die große Busrunde wird nur bis zum Nachmittag bedient, danach nur noch die Citylinie. Alles lief gut, bis wir kurz vor dem Hafen in Auckland irgendwie komisch herumgurkten. Irgendwann meldete sich der Captain und teilte uns mit, dass sich leider ein anderes Boot an seinem Pier befindet und er kann niemanden erreichen, damit es wegfährt…da soll sich noch mal einer über die Bahn beschweren. Aufgrund der Verspätung konnten wir dem letzten Bus der großen Runde nur noch hinterherwinken. An der Haltestelle stand ein wahnsinnig motivierter junger Mann des Busunternehmens, der uns sein volles Mitgefühl ausdrückte, uns ständig auf dem laufenden hielt, wann der nächste Citybus kommt und uns zum Abschied auch noch hinterherwinkte. Das nennen wir mal Arbeitseinsatz. Wir hatten im übrigen beschlossen, die Citylinie bis zum großen Museum zu nehmen und dann zu schauen, ob man eventuell zu Fuß weiter kommt. Wir verstanden dann auch, warum die große Linie nicht den ganzen Tag bedient wird, denn im Bus herrschte gähnende Leere. Wir waren die letzten, die drin saßen und der Busfahrer machte sich große Sorgen, wie wir denn vom Museum wieder wegkämen. Wir versicherten ihm ganz in der Nähe zu wohnen und er wirkte wirklich erleichtert. Ist das nicht schön, so nette Menschen. Es war auch tatsächlich ganz einfach, denn eine lange Straße verbindet das Museum mit dem Mt. Eden und so waren wir nach 45 Minuten Fußmarsch wieder in unserer Unterkunft. Später suchten wir noch ein letztes Mal ein Restaurant und fanden eines, in dem es – Yippie – frische Austern gab.

Inzwischen sind alle Koffer und Taschen sortiert, wir sind theoretisch bereit für einen 11 Stunden Flug bis Singapur und einen weiteren 13 Stunden Flug bis München. Praktisch würden wir natürlich viel lieber hier bleiben, im nun warmen, sonnigen Neuseeland mit der wunderschönen Flora und Fauna, den nie langweilig werdenden Landschaften und den unglaublich freundlichen Menschen. Wir möchten auch noch mal mit einem Gerücht aufräumen, in Neuseeland sei alles so furchtbar teuer. Fanden wir nicht. Natürlich haben wir viel Geld fürs Tanken ausgegeben, aber bei über 6000 km in 6 Wochen, verbunden mit hügeliger Landschaft, nicht wirklich überraschend. Essen gehen ist hier nicht teurer als in München, was tatsächlich teuer ist, ist Alkohol, welcher im Übrigen auch in nicht wenigen kleinen Städten verboten ist. Ansonsten gibt es jedem Restaurant kostenloses Tafelwasser und zwar so viel, wie man möchte. Obst und Gemüse im Supermarkt ist sehr viel preiswerter als in Deutschland (wir haben noch nie so günstigen und trotzdem guten Spargel gekauft), das neuseeländische Rindfleisch kostet weniger und hat eine sehr gute Qualität. Teuer wird es dann, wenn man nicht auf die heimischen Lebensmittel verzichten kann und importierten Käse o.ä. kauft. Außerdem ist in Neuseeland Bio nicht teurer und im Kosmetik- oder Haushaltsbereich sogar das Überwiegende. Was uns sehr zum Nachdenken gebracht hat, waren die vielen Familien, die wir kennen gelernt haben, die sich große Sorgen um ihre Wasservorräte im Sommer machen müssen. In den ländlichen Gegenden wird überwiegend Regenwasser aufbereitet, kein Regen, kein Wasser und vor allem im Norden wird es immer trockener.  

25November
2019

Hokianga

Da unser vorletztes Ziel nur eine gute Autostunde entfernt lag und wir erst ab 16 Uhr in unsere nächste Unterkunft konnten, fuhren wir zunächst erst noch mal nach Paihia, um uns ein schönes Plätzchen am Strand zu suchen. Auf dem Weg dahin, also an der Strandpromenade von Paihia, fragte ich mich, ob man hier ein Faible für außergewöhnliche Toiletten hat, denn dort befindet sich ‚Paihia’s Wee Toilet‘. Nach einem entspannenden Strandaufenthalt war ich auch schon wieder hungrig und wir gingen auf Restaurantsuche. Blöderweise lag ausgerechnet an dem Tag ein Kreuzfahrtschiff vor Anker und der Ort war total überfüllt. Nach einer halbstündigen Suche, inkl. Fahrt in einen Nebenort, in dem sich aber wirklich alle Gute Nacht sagen, fanden wir einen Burgerladen gegenüber dem Platz, auf dem wir uns zuvor die ganze Zeit schon aufgehalten hatten (hätten wir auch gleich haben können). Das besondere war, obwohl erst 14 Uhr gab es Live-Musik und dazu noch sehr leckere Burger. Anschließend ging es für uns einmal quer auf die andere Seite der Nordinsel. Da wir kurz vor Rawene immer noch zu früh dran waren, suchten wir zunächst noch einen Weg an den 90-Mile-Beach. Nach vielleicht 10 Minuten Autofahrt zeigte sich eine riesige Sanddüne am Horizont und kurz danach türkisfarbenes Wasser; es war der Hokianga Harbour. Wir fuhren bis fast an die Spitze und wanderten dann noch kurz bis zum einem Lookout-Punkt. Also, wenn man denkt, jetzt hat man in Neuseeland aber alles schöne gesehen, dann kommt noch sowas, was für schöne Farbspiele. Danach war es Zeit für unser vorletztes Bed&Breakfast, wir wohnten bei einer ehemaligen Rechtsanwältin. Auch hier, keine Enttäuschung, sehr geschmackvoll eingerichtet, mit Terrasse zum Wasser und damit Blick auf den Sonnenuntergang. Aufgrund unser Burgervöllerei vom Nachmittag und einem durch die Paddeltour vom Vortrag heftigen Muskelkater im gesamten Rücken, klang der Abend sehr ruhig aus.

In der Region Hokianga gab es noch ein letztes ‚Must Do‘ für uns, Kauri-Bäume. Noch vor ca. 150 Jahren gab es in Neuseeland unzählige dieser Baumriesen, aber, aufgrund ihres guten Holzes fielen über 90% der Axt zum Opfer. Heute befinden sich fast 75% der noch verbliebenen Bäume in eben der Region, in der wir uns gerade befanden und leider sind auch diese durch einen von Touristen eingeschleppten Parasiten bedroht. Wir fuhren also in den Waipoua Forest. Am Halt Nr. 1 war es nur ein kurzer Weg bis zum Tane Mahute, dem ‚lord of the forest‘, nachdem man eine Schuhreinigungsstation passieren muss (reinigen und desinfizieren). Es ist Neuseelands größter Kauri, mit 51,5 m Höhe und einem Stammumfang von 13,8 m. Man muss sich das so vorstellen, man läuft diesen Weg entlang, sieht eine kleine Gruppe von Leuten stehen, wenn den Blick auch nach links und ruft laut aus: ‚heiliges Blechle‘; denn man steht vor einer Wand aus Baumstamm. Wenn man noch nie Bäume solcher Dimensionen gesehen hat, sehr beeindruckend (auf dem Foto unten steht Ronald ca. 10 Meter vor dem Baum auf einer Bank). Danach ging es weiter zum 2. Halt, der eigentlich Wanderwege zu 3 großen Bäumen bietet. Leider sind aufgrund des Parasiten die Zugänge zu 2 Bäumen, bzw. Baumgruppen zur Zeit gesperrt, aber immerhin der halbstündige Weg zum zweitgrößten Kauri, dem Te Matua Ngahere, oder auch ‚father of the forest‘ war geöffnet. Auf dem Weg dorthin passiert man bereits einige schon beeindruckende Jungbäume, um dann am Ziel ein weiteres Mal vor einem Koloss von Baum zu stehen. Anschließend fuhren wir noch zum Trounson Kauri Park. Hier führt ein 45minüter Rundweg durch einen ganzen Wald voller kleinerer Kauri. Gleich zu Beginn flog genau vor unserer Nase ein sehr schöner Papagei vorbei, aber leider haben wir ihn nicht wieder gefunden. Außerdem leben dort Kiwis, für wen es passt, lohnt sich vielleicht eine Übernachtung auf dem dortigen Campingplatz. Danach traten wir den Rückweg an, unterwegs gab es in der Nähe der Sanddünen noch einen Mittagshalt und ich habe mir noch mal Austern schmecken lassen. Spaßenshalber habe ich mal auf die Speisekarte eines Münchner Restaurants geschaut, welches Austern anbietet…oha, im Schnitt 50 EUR für 6 Stück, hier bekommt man sie für 12 – 20 Dollar, also, zwischen 7 und 12 EUR. Bevor wir in unsere Unterkunft zurück fuhren, wollten wir noch einen Blick auf unseren eigentlichen Ort Rawene werfen. Viel gab es nicht zu sehen, ein paar hübsche Holzhäuschen und das war es. Wir wollten eigentlich noch ins Café, aber erst war überhaupt niemand da und dann wurde uns erklärt, dass man eigentlich schon zu hat und Wechselgeld ist auch keins da…dann eben keinen Umsatz mit uns. Morgen geht es zurück nach Auckland, unserer letzten Station.

23November
2019

Bay of Islands

Wir starten heute mit, was werden wir von Neuseeland nicht vermissen…diese elenden Blutsauger!!! Unsere Sandfliegenbisse von vor 4 Wochen sind bis heute nicht weg. Gestern auf der Schaffarm wurden wir von kleinen Fliegen attackiert, die richtig gebissen haben, sodass Blut kam. Seit heute Mittag jucken die zahlreichen Bisse zum verrückt werden. Und heute morgen wusste ich schon beim Aufwachen, dass was nicht stimmt. Ein Mosquito hat mich heute Nacht 6mal ins Gesicht gestochen, 3 Stiche am linken Auge, einer auf der Stirn, einer auf dem Wangenknochen und einer über der Lippe und alles geschwollen. So, jetzt könnt ihr euch vorstellen, wie ich aussehe, Ronald hat es mit folgendem Kompliment gut getroffen: ‚Dein Gesicht könnte heute von Picasso persönlich entworfen worden sein.‘ Aber nun weiter im Geschehen, nachdem ich heute alle Mitmenschen beim Frühstück ordentlich mit meinem Aussehen erschrecken konnte, starteten wir zur Bay of Islands. Unterwegs hielten wir für eine Mittagspause in Kawakawa. Die Freunde der Architektur wissen wahrscheinlich sofort, was es da zu sehen gibt. 1986 war nämlich Friedensreich Hundertwasser in Neuseeland eingebürgert worden und wählte genau diesen Ort als Wohnsitz. Selbstverständlich hat er sich dort auch verewigt und zwar mit einer sehr schönen öffentlichen Toilette. Nach einem letzten Zwischenstopp, um uns für 4 Nächte Selbstverpflegung zu rüsten waren wir auch schon dabei unsere Unterkunft zu suchen, ca. 25 Minuten Autofahrt entfernt vom letzten größeren Ort. Es gab mal wieder einen Wow-Effekt. Unser Cottage stand auf einer insgesamt etwas mehr als 600.000 m² großen Bio-Rinderfarm. Mitten durch geht der Takou River und an diesem hat die Familie auf ca. 20.000 m² die Anlage errichtet. Das bedeutet, sie haben ca. 20.000 Bäume gepflanzt, um einen kleinen Wald entstehen zu lassen und darin die Ökocottages gebaut. Hier ist fast alles nachhaltig, die Materialien, das Wasser ist aufbereitetes Regenwasser und der Strom kommt zu 100% dezentral aus erneuerbaren Energien. Unsere Highlights hier sind unsere Badewanne auf der Dachterrasse, außerdem haben wir ein Außentürmchen, auf dem wir einen sehr schönen Blick haben, dann gibt es am Fluss ein Bootshaus mit Kajaks und Kanus, die sich jeder nehmen kann, um damit in ca. 25 Min. zum Strand zu paddeln, und, auf dem Gelände haben sich kleine bunte Papageien angesiedelt. Ich hoffe, ich bekomme sie in den nächsten Tagen noch mal besser vor die Kamera als heute. Da wir in Kerikeri nicht nur Roggenbrot nach deutscher Art bekommen haben, sondern auch importierten echten französischen Käse, gab es am Abend einfach nur Stulle.

Unser erster voller Tag in der Bay of Islands begann mit zeitigem Aufstehen, nachdem die Nacht wegen dem ganzen Juckreiz etwas schlaflos war. Viertel nach 8 Uhr befanden wir uns auch schon auf dem Flugplatz von Kerikeri zu unserer vorletzten Tour. Es ging mit einem Kleinflugzeug ganz hoch in den Norden, dabei waren nur wir beide, die Pilotin und ein Alleinreisender Herr, der entweder Australier ist und in Griechenland wohnt oder umgekehrt, in jedem Fall hat er viel gesprochen und das mit einem ganz furchtbar fiesen Dialekt. Wir überflogen in 45 Minuten die wunderschöne Landschaft sowie den 90-Miles-Beach. Warum der so heißt, weiß keiner mehr, mit der Länge hat es jedenfalls nichts zu tun, denn er ist nicht mal annähernd 90 Meilen lang. Jo, unsere Pilotin landete die Maschine anschließend sicher auf einer Wiese und es ging mit einem kleinen Bus weiter, wobei sich uns noch der Kollege anschloss, der am sehr frühen Morgen den Bus dahin gefahren hatte. Unser erstes Ziel hieß Cape Reinga, der nördlichste Punkt Neuseelands (wobei das nicht ganz stimmt, aber der geografisch nördlichste Punkt ist unzugänglich und da am Cape schon ein schöner Leuchtturm stand, naja, da will man doch mal nicht so sein). Da die Autofahrt von Kerikeri bis zum Cape 3,5 Stunden dauert, waren wir tatsächlich ganz allein am Leuchtturm. Das ist schon was besonderes, denn normalerweise ist es da gut gefüllt. 100 Fotos später ging es auch schon zurück zum Bus und auf zu einer netten Bucht zum Teetrinken. An dieser Stelle noch ein Tipp, wenn man sich in den von der sich langsam zurück ziehenden Flut noch sehr feuchten Teil des Sandes stellt und hoch konzentriert versucht etwas zu fotografieren, immer mal aufs Wasser und die Wellen achten, sonst läuft man den Rest des Ausflugs mit patschnassen Turnschuhen und Socken herum ;-). Nach dieser Stärkung ging es mit dem Bus noch in die riesigen Sanddünen, wo jeder der wollte, in Bauchlage auf einem Brett liegend hinunter rutschen konnte, der Wahnsinn. Anschließend war es auch schon Zeit für den Rückflug, wobei Jo diesmal die Ostseite entlang flog. Es war einfach unglaublich, so schöne Buchten, schneeweiße, aber unzugängliche Strände und natürlich die vielen Inseln der Bay of Islands. Zurück in Kerikeri fuhren wir erst mal zum Supermarkt, denn ich hatte einen Artikel einer ebenfalls von diesen kleinen Mistdingern malträtierten Reisenden gefunden, welche in einer Unterkunft Kokosöl zum draufschmieren bekommen hatte. Wir werden es ausprobieren und berichten, denn Cortison hilft genauso wenig, wie der Hitzestick oder Eis. Da der Nachmittag noch jung war, besuchten wir gleich noch die Rainbow Wasserfälle, bei denen sich tatsächlich ein Regenbogen bildet. Den Rest des Tages genossen wir in unserem Cottage die zur Verfügung stehende Hängematte, die Liegestühle und unser Türmchen und zum Abendessen gab es mal wieder was selbst gekochtes.

Nachdem ich uns für 3 Uhr morgens einen Wecker gestellt hatte, um endlich die Milchstraße zu sehen, war danach ausschlafen angesagt. Der Himmel ist zur Zeit nämlich sternenklar und der Mond ist auch so gut wie weg. Ab Januar braucht es übrigens nicht mehr so viel Aufwand, denn dann zeigt sich die Milchstraße bereits mit Einbruch der Dunkelheit. Wir starteten also seit Wochen mal wieder gemütlich in den Tag. Kurz nach 13 Uhr ging es dann aber doch los, diesmal nach Paihia, und, wenn man schon mal dort ist, natürlich gleich noch nach Waitangi. Waitangi hat historisch gesehen für Neuseeland eine große Bedeutung, denn hier wurde 1840 der Vertrag unterzeichnet, mit dem sich die Maori der britischen Krone unterwarfen. Unser Problem war, wir hatten nur eine knappe Stunde Zeit und konnten damit weder an der geführten Tour, noch an einer Haka-Vorführung teilnehmen. Den vollen Preis mussten wir aber trotzdem bezahlen (also, lieber doch nicht auf den letzten Drücker hinfahren). Nachdem wir also alle Punkte im Schweinsgalopp abgearbeitet hatten, mussten wir uns auch schon beeilen, um in Paihia die 15:30 Uhr Fähre nach Russell zu schaffen. In Russell startete nämlich die letzte gebuchte Tour unserer Reise, ein Spätnachmittagscruise auf einem großen Segelschiff. Das gute an der Vorsaison ist, es ist recht wenig los und so waren wir nur 8 Passiere auf dem 2-Master und dazu 2 Crew-Mitglieder und die Dame von der Rezeption. Ich habe mich ehrlich gefragt, wie zum Teufel man zu zweit das Schiff steuert, die Antwort lautet, gar nicht. Mal davon abgesehen, dass ein weiteres Crew-Mitglied hätte da sein sollen, sich aber einen Finger gebrochen hat, mussten wir alle mithelfen. Nach dem Auslaufen aus dem Hafen waren die Segel zu setzen. Ronald und ich meldeten uns gleich als erstes, weil wir keine Ahnung hatten…das erste Hauptsegel ist nämlich das schwere Ding. Zu dritt auf jeder Seite mussten wir das Segel hissen, was bis zur 2/3 Marke ok war, danach ging es immer schwerer und am Ende hat der Captain meinen Platz übernommen um mit Ronald die letzten Zentimeter zu meistern. Puh, war das anstrengend, bin gespannt, was der Oberkörper morgen sagt. Das andere Hauptsegel und die beiden Vorsegel gingen wesentlich einfacher. Das Steuer wurde abwechselnd von uns Passagieren bedient, der Captain hat nur hin und wieder die Richtung angegeben und sich darum gekümmert, dass wir immer schön im Wind lagen. Wer wollte durfte angegurtet die Takelage hinauf klettern und vorne auf dem Schiff herumturnen, hat Ronald natürlich beides gemacht. Während der Segeltour gab es leckere Snacks, also Oliven, Erdbeeren, Muscheln, Cracker, usw. und Wein oder Bier. Zum Schluss haben wir unser großes Segel auch wieder eingeholt, was natürlich wesentlich einfacher ging. Insgesamt eine sehr schöne Tour.

Der letzte Tag in der Bay of Islands war definitiv nicht unser Tag. Nach nochmaligem ausschlafen und spätem Frühstück hatten wir uns vorgenommen, mit einem Kayak zum Strand zu paddeln, dort eine Weile zu bleiben und dann zurück zu paddeln…ich nehme es vorweg, es war eine Katastrophe. Der Fluss vor unserer Unterkunft mündet direkt an den Strand und hat damit genauso Gezeiten, wie das Meer. Es wurde empfohlen, mit der hereinkommenden Flut zurück zu paddeln, damit der Rückweg nicht mehr so anstrengend ist. Das bedeutet aber auch, gegen die Flut hinaus zu paddeln, es sei denn, man möchte mehrere Stunden am einsamen Strand bleiben. Wir sind also ca. 1,5 Stunden nach Ebbe losgepaddelt und das war schon kritisch, da wir im Fluss mehrfach auf Sandbänke aufliefen. Wir sind im übrigen absolute Amateure und so haben wir es auch gar nicht merkwürdig gefunden, dass es bereits beim losfahren nasse Hinterteile gab. Als der Strand bereits in Sicht war, wurde es im Kayak immer wackliger, was ich natürlich auf Ronald schob und er auf mich. Irgendwann merkte Ronald an, er säße im Wasser, ich dachte nur, ja toll, mein Hintern ist auch nass. Was ich vorne nicht sah, Ronald saß wirklich unter der Wasserlinie und unser Kayak drohte zu kentern. Ich wollte schnell zum Strand, Ronald brüllte, wir müssen sofort hier ans Ufer. Na schön, ich war genervt, wir also raus aus dem Kayak in den ekligen Schlick. Ronald entfernte dann sämtliche Deckel im Kayak, kippte es um, und, da lief echt eine sehr große Menge Wasser aus dem Hohlkörper… wo kam das denn her??? Wir schafften es dann noch bis zur ersten großen Sandbank vom Strand, dann wurde die Gegenströmung enorm. Wir also erst mal raus aus dem Boot und überlegt, ob wir es über die Sandbank tragen können, aber auch nachdem Ronald wieder eine Menge Wasser ausgekippt hatte, war es zu schwer. Am Ende lief ich mit den Paddeln quer über den Sand, während Ronald das Kayak einen Kilometer weit am Ufer hinter sich her zog. Dann standen wir vor dem letzten Teil des Flusses mit immer stärkerer Strömung und mussten irgendwie rüber. Wir haben uns dann im Kayak sitzend auf die andere Seite treiben lassen, waren aber nicht da, wo wir eigentlich hinwollten. Wir saßen auf einem kleinen Stück Strand und sahen keine Möglichkeit gegen die Strömung auf den Hauptstrand zu kommen. Ronald, der ja eh schon patschnass war, stürzte sich auch gleich mal ins Meer. Der Strand war wirklich wunderschön und einsam, aber wir waren fix und fertig (anstatt der angegeben 25 Minuten hatten wir 90 Minuten gebraucht), so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Nach einem Beruhigungsbier beschlossen wir zurück zu paddeln, denn unser Strandstück würde mit der Zeit immer kleiner werden. Auf dem Rückweg mussten wir noch 2mal anhalten, um das Boot wieder und wieder auszukippen, sodass wir auch für den Rückweg eine knappe Stunde brauchten. Eine Inspektion am Ende der Tour zeigte einige sehr tiefe Kratzer auf der Unterseite des Kayaks, wir vermuten also, dass unser Boot schlicht und einfach kaputt war und hier das ganze Wasser herkam. Wir waren jedenfalls völlig erledigt (im übrigen brannte auch die Sonne die ganze Zeit unerbittlich auf uns herunter) und ich konnte gleich nochmal Wäsche waschen. Zum Abendessen gab es Steak mit Kartoffelbrei und grünen Bohnen, und wir können sagen, die Fleischqualität ist fantastisch und es war definitiv günstiger als zu Hause. Morgen geht es zu unserer vorletzten Etappe an die Westküste.

19November
2019

Matakana

Bevor wir die Coromandel-Halbinsel verließen mussten wir unbedingt noch den Ort Tairua aufsuchen. Denn dort gibt es einen Edelsteinladen namens Heaven & Earth und ich wollte schon so lange ein Schmuckstück mit meinem Geburtsedelstein haben. Ich wurde fündig, ein Paar sehr schöne Ohrringe, die nicht nur Amethyst enthalten, sondern auch 150 Mio. Jahre altes Meteoritengestein. Danach ging es auf direktem Weg durch Auckland Richtung Norden. Auckland präsentierte sich mit grauem Himmel, aber wir kamen recht gut durch. Kurz nach Auckland dann erneut unglaublich starker Regen mit eingeschränkter Sicht. Damit konnten wir uns zu keinem großartigen Zwischenstopp durchringen und sind direkt bis nach Matakana durchgefahren. Unsere Unterkunft lag mal wieder sehr versteckt, aber beim 2. Versuch haben wir die Einfahrt gefunden. Wir hatten eine kleine Doppelhaushälfte mit sehr erholsamen Weitblick. In der Ferne der Ozean und davor Weideland mit Schafen. Matakana ist ein Weinanbaugebiet und so überraschte uns unsere Gastgeberin mit 2 Gläsern Begrüßungsweißwein, Oliven, Crackern und Käse….mhhh. Für das Abendessen wählten wir ein hochgelobtes Restaurant, aber naja. Es war recht kühl und die Bedienung war irgendwie komisch. Zuerst kam niemand und dann fand man es sehr belustigend, dass wir unsere Steaks mit Salat anstatt Pommes wollten, aha. Zum Schluss schmeckte meine Créme Brulée noch nach Spüli, dafür war Ronalds dreifach Schokoladeneis mit Espresso und Cointreau umso besser.

Für unseren vollen Tag hatten wir uns die Sheepworld und Omaha Beach ausgesucht. Die Sheepworld fanden wir ganz großartig. Wir hatten vor der Show noch Zeit für einen ersten kurzen Rundgang. Zunächst mal Vorsicht vor den Enten, die rannten uns die ganze Zeit hinterher und der Erpel hat mich ins Schienbein gezwickt. Wir haben zum ersten Mal frisch geschorene Alpakas gesehen, also diese Tiere sind wirklich nur plüschig, viel dran ist jedenfalls nicht. Danach kam Pony Tom, der leider sehr pfeifend atmete und auf dem Schild stand auch, dass er krank ist und man sich sofort melden soll, wenn einem etwas komisch an ihm vorkommt. Wir kamen noch bis zu den beiden Eseln, mit denen Ronald mal wieder augenblicklich Freundschaft schloss und dann ging auch schon die Show los. Während der Show wird erklärt, wie die verschiedenen Schäferhunde arbeiten und was es sonst alles auf einer Schaffarm zu tun gibt. Für uns schon mal sehr interessant, es gibt die leisen und intelligenten Hunde, die umkreisen die Schafe und treiben sie in einer Gruppe zusammen zum Schäfer und es gibt die bellenden Kraftpakete, die bellen die Schafe quasi so sehr an, bis sie sich bewegen, aber es ist ihnen völlig wurscht, ob nur ein Schaf ankommt oder alle. Zur Demonstration befand sich ein Grüppchen Schafe auf einem Hügel, einer der leisen Hunde wurde losgelassen und brachte tatsächlich ohne einen Laut die gesamte Gruppe innerhalb von wenigen Minuten in den Stall. Als nächstes mussten die Schafe sortiert werden, dafür suchte sich unser Schäfer eine Amerikanerin und mich aus. Während nun der laute Hund die Schafe anbellte mussten wir durch blitzschnelles öffnen und schließen von kleinen Toren die Schafe nach rosa und blauer Markierung und ohne Markierung sortieren. Das klingt echt leichter als gesagt, denn die aufgescheuchten Schafe kommen recht schnell auf einen zugerannt. Im echten Leben steht da auch nur einer, der die Tore bedient und sortiert 800 Schafe am Vormittag und dann braucht er eine Pause um die Knoten im Kopf zu lösen. Anschließend werden die Schafe geschoren. Unser Schäfer hatte ein größeres Lamm dabei, welches vorher noch nie geschoren worden war. Das Schaf wird zwischen die Beine geklemmt und bleibt da auch bewegungslos hängen. Der Trick sind Akupressurpunkte, die der Schafscherer drückt und das Schaf willenlos macht. Unser Schaf wurde in einem moderaten Tempo geschoren, die guten Scherer schaffen 600 bis 800 Schafe am Tag, keine Ahnung, wie die am Abend ihren Rücken wieder gerade bekommen. Auf jeden Fall soll der Job sehr gut bezahlt sein. Zum Abschluss wurden noch ein paar Flaschen Milch verteilt und dann wurde eine Meute hungriger Lämmer in den Raum gelassen. Ronald musste also auch noch was tun. Anschließend sind wir noch mal in aller Ruhe über das gesamte Gelände spaziert. Es gab auch noch Schweine, Hühner und Emus. Außerdem ein freies Gelände, auf dem wir sofort freudig von einer Gruppe Schafe begrüßt wurden. Leider wussten wir nicht, dass wir einen Beutel Futter hätten mitnehmen können. Jedenfalls erklärt die Sache mit dem Futter, warum die Schafe auf Kommando mit einem mitlaufen. Zum Abschluss legten wir noch ein kleines Mittagessen im Bio-Café ein. Danach ging es zum Omahabeach, leider hatte sich der Himmel wieder zugezogen, aber es blieb trocken. Der Strand ist ca. 3 km lang mit ganz feinem Sand, wie Puder. Außerdem gibt es eine unglaublich bunte Vielfalt an Muscheln und drollige kleine Vögel. Zum Abendessen ging es diesmal in den Rusty Pelican, den können wir empfehlen. Es gibt für jeden etwas und das ganze in sehr großen Portionen. Heute war Pizzatag, d.h. 2 Pizzen zum Preis von einer, weshalb die beiden Herren hinter uns auch gleich 4 bestellten. Morgen geht es weiter zu unserem nördlichsten Punkt in Neuseeland.

17November
2019

Coromandel

Es war endlich soweit, der große Tag…denn was liegt auf dem Weg von Rotorua nach Coromandel – richtig, das Auenland :-). Da das Hobbiton – Filmset zu den Top-Touristenattraktionen gehört, hatten wir natürlich schon vorgebucht und zwar das volle Programm, nämlich mit Mittagessen. Wer noch nicht da war, das Auto wird auf einem riesigen Parkplatz geparkt, dann werden die Tickets geholt und dann hat man noch Zeit für den Souveniershop und traut seinen Augen nicht. Ohne zu übertreiben, es gibt dort absolut nur Mist zu kaufen. Billige Plastikfiguren, Untersetzer, T-Shirts und, ach ja, einen Elbenumhang für günstige $ 900. Ich war schon mal total bedient, wollte ich doch ein schönes Mitbringsel aus dem Auenland mit nach Hause nehmen. Dann eben nicht. Zum Fimset darf man nicht allein, sondern nur in geführten Gruppen und dafür muss man am Parkplatz mit seiner Gruppe in den Shuttlebus steigen. Wir hatten wie immer Glück. Nicht nur, dass wir eine ziemlich überdrehte Führerin erwischt hatten, die uns schon nach 5 Minuten auf die Nerven ging, wir hatten auch eine kleine Familie, bestehend aus Papa Gandalf (also wirklich voll kostümiert) mit Mama und Baby im Faschings-Dirndl dabei (diese Kostüme hatten sich uns nicht so ganz erschlossen). Im Bus gab es ein paar Filmchen und unsere Guide versuchte uns zum Singen zu überreden…wir hofften, dass es nicht noch schlimmer wird. Am Filmset dann doch die Überraschung, die Menschenmassen verteilen sich auf dem Gelände recht gut, sodass man doch problemlos diverse Fotos ohne fremde Gesichter schießen kann. Die gesamte Anlage steht seit der ‚Hobbit‘-Trilogie und ist wirklich mit sehr viel Liebe zum Detail gebaut. Es befindet sich auch ein künstlicher Baum auf dem Gelände, den wir, auch als wir genau davor standen, nicht als solchen erkannt hätten. 200.000 künstliche Blätter aus dem 3D-Drucker, Wahnsinn. Nach der Tour durch das Filmset gab es für uns noch ein Getränk im ‚Grünen Drachen‘ und anschließend ein überraschend gutes Mittagsbuffet in einem angrenzenden Zelt. Nach der Rückkehr zum Parkplatz habe ich mir noch ein Eis gegönnt, also, bestellt hatte ich 2 Kugeln, bekommen habe ich 2 Batzen. Keine Ahnung, ob das Eis wegmusste. Anschließend hatten wir eigentlich noch 3 Stunden Autofahrt vor uns. Da wir immer die landschaftlich schönste Route wählen und uns das Navi damit auf eine unbefestigte kurvenreiche Straße einmal quer durch die Halbinsel Coromandel schickte, waren es dann doch eher 3,5 Stunden. Es war jedenfalls gut, dass wir einen Allrad hatten. Um unsere Lodge zu erreichen, musste ich als Beifahrer aussteigen, ein Gatter öffnen, Ronald durchlassen und das Gatter wieder schließen. Für die nächsten 3 Tage war das dann also mein Job. Gelegentlich war auch mal eines der Kälbchen von der Straße zu scheuchen, denn so ein herannahendes Auto ließ die ziemlich kalt. Wir hatten diesmal eine besondere Unterkunft, nämlich eine mit eigener Sternwarte. Wir wohnten im Haus von Alastair und Harriette und Alastair ist nicht nur Geologe, sondern auch Astronom und zur Übernachtung gehört natürlich auch eine Tour. Da es ja schon recht spät war, sind wir am ersten Abend nur noch das empfohlene, unweite Restaurant Luke’s Kitchen gefahren. Können wir sehr empfehlen, sehr leckere Austern und echte Steinofenpizza mit schönem dünnen knusprigen Boden und das ganze am Strand.

Am nächsten Morgen empfahl uns unser Gastgeber eine Menge an Sachen, die wir machen könnten. Zu unserer Überraschung hat der Cousin von Alastair in Coromandel eine kleine Zugstrecke erbaut und zwar durch einen Wald, auf einen Berg und das ganze mit Kunstwerken an der Strecke. Na dann also auf nach Coromandel. Kurz nach unserer Ankunft fuhr auch gleich ein Zug und so ging es los in kleinen offenen Waggons auf eine abenteuerliche Strecke. Wie auch bei unserer ersten Zugfahrt, enge Tunnel und Brücken, bei denen es gleich runter geht. Daneben auch einige Überwerfungsbauwerke, also Zugbrücke über Zugbrücke sowie einige Wenden. D.h. reinfahren in eine Sackgasse, Lokführer steigt aus, stellt die Weiche per Hand um und fährt andersherum weiter. Das ganze 4mal bis nach oben. Links und rechts der Strecke immer wieder Skulpturen oder Wände aus Weinflaschen. Oben angekommen hatten wir 10 Minuten Fotopause, denn es gab einen fantastischen Ausblick auf die Küste. Und weil uns dieser Ausblick so gut gefallen hat, beschlossen wir nach dem Ende der Zugfahrt, die Halbinsel noch weiter nach Norden zu fahren. Es kam eine schöne Bucht nach der anderen, leider hatten wir keine Badesachen dabei, so blieb es beim Anschauen. Zum Abendessen ging es heute mal nach Whitianga, aber die Zeit war verdammt knapp, denn 21 Uhr sollte unsere Sternentour starten. Wir haben es gerade so rechtzeitig zurück geschafft und waren tatsächlich nicht die einzigen (die Tour kann auch einfach so gebucht werden). Wir durften uns durch das Teleskop Saturn anschauen, den nächstgelegenen Stern, 2 Sternennebel, Uranus und ein Sternencluster. Alles sehr faszinierend und immer mit Erkläuterungen. Danach ging es in Alastairs Labor, wo er natürlich auch Meteroitengestein, Mondgestein und weitere interessante Steine parat hatte, fluoreszierende zum Beispiel. Zum Abschluss wurden wir noch darauf hingewiesen, dass man auch mal Augen für die kleinen Dinge haben sollte. Zur Veranschaulichung der Abstände in unserem Sonnensystem sind nämlich überall im Haus kleine Schildchen mit den Planetenamen angebracht. Es beginnt mit der Sonne in der Laborecke und endet mit Pluto im Wohnzimmer, was wir bis dahin noch nicht gesehen hatten, Neptun befindet sich genau neben unserer kleinen Küche…verrückt.

Für den 2. Tag auf der Halbinsel hatten wir uns die berühmte Cathedral Cove zu Fuß vorgenommen. Wir starteten am großen Parkplatz in Hahei (der eigentliche Parkplatz ist von Oktober bis April wegen der Touristenmassen geschlossen) und wanderten durch Wald und an der Küste entlang. Da man ab dem großen Parkplatz auch einen kostenpflichtigen Bus zum anderen Parkplatz nehmen kann, wurde es ab da auch merklich voller. Wir haben noch einen Abstecher zu einer Aussichtsplattform mitgenommen und sind dann zum eigentlichen Strand. Dieser war echt voll, wobei ich mir gar nicht vorstellen möchte, wie es da im Sommer zugeht. Als ob die Sache mit dem Shuttlebus noch nicht reicht, kann man nämlich auch noch ein Wassertaxi nehmen. Wir waren jedenfalls froh kein Geld für irgendwelche Touren ausgegeben zu haben und sind auch nicht besonders lange geblieben. Auf dem Rückweg haben wir aber noch beide Abstecher zu den anderen Buchten mitgenommen. Die Stingray Bay ist eine sehr schöne Sandbucht, in der sich auch nur wenige andere Menschen befanden, die Gemstone Bay ist eine kleine unwegsame Steinbucht, in der man aber wohl gut schnorcheln kann. Für die gesamte Tour haben wir 3 Stunden gebraucht und ich hatte ganz schön Hunger (Ronald wie immer nicht). Ein kleiner Stand bot frittierte Muscheln an, die waren sehr lecker, wobei ich eine dann doch geteilt habe. Ich saß kaum mit dem Essen am Tisch, als sich eine Katze zu mir gesellte und mehrfach demonstrierte, dass sie ein ganz furchtbar liebes Kätzchen mit großen Augen ist. Wie gesagt, eine halbe hat sie bekommen. Zum Abschluss wollten wir uns noch einen sehr gehypten Strand anschauen, den New Chum Beach in Whangapoua. Der ist aber ganz blöd zu erreichen, denn nachdem man sich beim Durchwaten eines kleinen Flußlaufes die Füße nass gemacht hat, geht es über sehr unwegsame Steine mit vielen scharfen Muscheln dran weiter. Dann sind wir eben am Normalostrand geblieben und dann direkt noch mal zu Luke’s Kitchen, Austern und Pizza essen. Morgen reisen wir weiter und müssen dabei das erste Mal Auckland passieren.

14November
2019

Rotorua

Auch für den heutigen Morgen hatte ich uns zum Mindy-Füttern angemeldet. Ich hatte Mindy schon beim Aufwachen laut und deutlich gehört und dufte damit auch erst nach getaner Arbeit selbst zum Frühstück. Ich habe auf jeden Fall gelernt, Schafe am besten füttern, wenn man selbst gut steht, nicht hockend, sonst kann es passieren, dass so ein ungeduldige Lamm so herumzappelt, dass man selbst eine Milchdusche abbekommt. Mehr sage ich dazu nicht… Unsere Gastgeberin hatte uns empfohlen, auf dem Weg nach Rotorua rechts am Nationalpark vorbeizufahren (genannt Dessert Road), um noch mal eine andere Landschaft zu sehen, und so taten wir das. Von der Seite hatte man sogar noch mal einen viel besseren Blick auf das Skigebiet und den Schicksalsberg. Auf dem Weg nach Rotorua kommt man direkt am Lake Taupo vorbei, dem flächenmäßig größten See in Neuseeland. Da sich am ersten Fotostopp keine sanitären Einrichtungen befanden, sind wir mit einem Umweg noch an den Stadtrand der Stadt Taupo gefahren und haben ein wirklich bezauberndes Fleckchen gefunden. Saubere Toiletten direkt am See mit bunten Blumen und nochmals einen Blick zurück auf den Schicksalsberg. Da haben wir doch glatt eine längere Pause eingelegt. Leider hatte ich mich vorher noch nicht richtig belesen, wie viele Sachen es in Rotorua zu sehen gibt, sonst hätten wir direkt einen Stop in Wai-O-Tapu eingelegt, das ist der Thermalpark mit den unglaublich bunten Kraterseen (aber natürlich auch touristisch sehr stark frequentiert). Unsere Unterkunft war ein weiterer Homestay, 25 Min. Autofahrt von Rotorua entfernt und wirklich phänomenal. Das berühmte Haus am See (Lake Rotoiti) mit großer Terrasse. Wir hatten ein sehr schönes Zimmer und ein Bad mit allem was das weibliche Herz begehrt. Mehrere Seifen, Duschbäder, Peelings, Bodylotion, sogar Zahnpasta, da konnte ich den eigenen Kosmetikkoffer gleich wieder zumachen. Unsere Gastgeberin war eine echte Maori mit 76 Cousins und Cousinen und wie immer unglaublich sympathisch. Ebenfalls im Haus wohnte Kater Liquish, der sofort mit uns Freundschaft schloss und uns bei jeder passenden Gelegenheit auch belagerte und Aufmerksamkeit verlangte. An diesem Abend ging es nur noch zum Essen in ein nahegelegenes Hotelresort, welches aber mit einem vergleichsweise preiswerten Restaurant mit hervorragendem Steak aufwarten konnte. Danach ließen wir uns von unserer Gastgeberin beraten, was wir am nächsten Tag am besten anstellen könnten und wir bereuten es nicht, ihrem Rat gefolgt zu sein.

Unser nächster Tag startete mi einem zeitigen Frühstück, denn wir wollten vor den Massen in den Geothermalpark Te Puia. Te Puia liegt genau am Stadtrand von Rotorua und man riecht ihn schon von weitem – überhaupt muss man sich in der Gegend an den Geruch von faulen Eiern gewöhnen. Das gesamte Areal zischt und brodelt vor sich hin. Wir begannen aber im Kiwihaus und konnten tatsächlich zwei echte Kiwis im Dunkelraum beim herumtapsen beobachten. Immerhin, besser als nichts. Danach ging es vorbei an blubbernden Schlammpools zur Geysirterrasse. Also, ich meine, wir waren ja schon in Island, aber gegen das war Island ja geradezu mickrig. Mehrere Geysire spuckten in einer Tour Heißwasser und Dampf nach oben, ohne Pause, daneben ein hellblauer kleiner See sowie eine immer heiße Steinterrasse, auf der man sich gut aufwärmen konnte. Auf dem weiteren Rundweg kamen wir an fest im Boden installierten Kochbehältnissen vorbei und auch an permanent kochenden Wasserlöchern, in denen man quasi seinen Beutel mit rohen Eiern reinhält und nach einigen Minuten gekocht wieder rausbekommt. Nachdem wir unsere Tour nach ca. 1,5 Stunden in einem fast leeren Park beendet hatten, rauschten auch schon 3 Reisebusse an. Also dann, alles richtig gemacht. Unser zweites Ziel für diesen Tag war das Waimangu Volcanic Valley. Wir hatten uns gegen Wai-O-Tapu entschieden, weil auch dort die Busse im Minutentakt Menschen ausspucken und das Waimangu-Tal ist etwas wirklich besonderes und eben nicht überlaufen. Das Tal existiert erst seit 1886. Am 10. Juni 1886 brach nämlich der Vulkan Tarawera mit solcher Gewalt aus, dass die Eruption bis nach Christchurch zu hören war. Hierbei wurden leider die bis dahin als 8. Weltwunder geltenden weißen und pinken Terrassen völlig zerstört (googelt die mal) und dafür das Tal mitsamt einem größeren See geschaffen. Bis 1917 ging es im Tal noch heiß her, in dem Jahr krachte es noch mal ordentlich und ein See mit der größten Heißwasserquelle der Welt entstand (bei einer Durchschnittstemperatur von 55 Grad empfiehlt sich leider kein Bad und der See heißt deshalb auch Bratpfannensee). Wir gaben uns auch in diesem Tal mal wieder die Vollen und kauften das volle Programm, d.h. Wandern auf allen Wegen und Rundfahrt auf dem See. Man wandert nicht etwa durch öde Vulkan-, sondern durch eine sehr grüne Buschlandschaft (da Vulkanasche ja bekanntlich sehr nährstoffreich ist, siedelten sich die ersten Pflanzen bereits im Jahr des Ausbruchs wieder an). Auf dem Weg gibt es zahlreiche nummerierte Punkte und wir hatten einen deutschsprachigen Plan mit Erklärungen zu jedem Punkt erhalten. Was ich an dieser Stelle noch empfehlen möchte, liebe Neuseeländer, in eurem Land leben ja doch einige Deutsche. Es bietet sich an, eine solche übersetzte Broschüre noch mal von einem Muttersprachler prüfen zu lassen. Sollte sie geprüft worden sein, hatte wohl jemand nicht ganz den besten Tag. Man kommt vorbei an brodelnden heißen Seen, dampfenden Säureseen, bunten Terrassen, sprudelnde Wasserlöcher und immer wieder Wände, an denen man die Ablagerungen durch den Ausbruch erkennen kann. Wir blieben nicht auf den Normalweg, sondern nahmen irgendwann den Mt. Hazardwanderweg, der mal wieder mit zahlreichen Warnhinweisschildern bezüglich Unwegsamkeit ausgestattet war. Unsere Meinung, für FlipFlops ist er vielleicht nicht geeignet, aber ich war mit Wanderschuhen definitiv overdressed. Es geht halt Treppen rauf und runter und man schwitzt ein bissl. Statt der veranschlagten 60 Minuten waren wir nach 30 Minuten durch und hatten so genug Zeit, den Normalweg noch ein bissl zurück zu laufen. Wirklich viel gesehen hat man auf dem Extraweg eigentlich auch nicht, für gute Blicke auf die tiefen Krater müsste mal wieder der Gärtner vorbei kommen. Am Ende des Tals wartet der noch sehr junge Lake Rotomahana, auf dem wir noch eine Bootsfahrt unternahmen. Die Zeit des Wartens auf das Boot konnte man sich sehr gut mit dem Beobachten von schwarzen Schwänen vertreiben, denn die gibt es dort in Massen und viele hatte Küken. Während der Bootsfahrt hat man einen guten Blick auf den für das Tal verantwortlichen Vulkan, man hält an den Stellen, an denen sich früher die weißen und pinken Terrassen befanden und am Ende gibt es noch Geysirspektakel. Ein Geysir spuckt direkt an der Felswand des Sees aller 8 Minuten Wasser und Dampf. Für den Rückweg nahmen wir den Bus, ja, hier gibt es auch noch einen Shuttlebus. An diesem Abend entschieden wir uns, zum Essen nach Rotorua hinein zu fahren und die Eatstreet zu besuchen (ist doch eigentlich eine gute Idee, einfach eine Straße „Fressstraße“ nennen und alle Restaurants da hinein zu packen). Wir wählten das Steakhaus und waren bitterlich enttäuscht, teurer und schlechter als das Restaurant vom Vorabend. Außerdem zu wenig Personal, die schmutzigen Gläser stapelten sich auf dem Bartresen (außer dem Barmann schien keiner eine Ausbildung zu haben, diese zu spülen) und an der Kasse eine lange Schlage, darunter der stark angeheiterte Ehemann der Dame vor uns, der uns mit gut riechendem Atem auf englisch volllallte und dabei unentwegt kicherte – einfach mitkichern.

Für den zweiten Tag in Rotorua, der Wiege der Maorikultur stand eine ebensolche Tour an und zwar nur wir beide mit einer Cousine unserer Gastgeberin. Also kein Showdorf, in dem aller 15 Minuten ein Haka getanzt wird, sondern echtes Maorileben. Bedauerlicherweise meinte es der Vormittag nicht gut mit uns und so besuchten wir ihr Geburtsdorf in strömendem Regen. Auf meine Frage, warum ausgerechnet hier alles anfing, gab es als Antwort, na weil das mit den heißen Quellen doch so praktisch ist. Deshalb gab es hier früher auch eine Menge Gemetzel und die Briten sahen sich gezwungen diesen Ort zuerst zu missionieren, um den dauernden Blutbädern ein Ende zu setzen. Da man sich nicht so richtig zwischen katholisch und anglikanisch entscheiden konnte, machte der Stammesführer kurzen Prozess, Hälfte-Hälfte und so ist es bis heute. Auch in diesem Dorf dampft und brodelt es überall und Wiki erzählte uns, dass das alles nicht ganz ungefährlich sein, denn vor nicht allzu langer Zeit hatte ein älterer Herr plötzlich einen Geysir in seiner Küche und musste sich ein neues Haus suchen. Um uns danach wieder etwas zu trocknen besuchten wir ein sehr gut verstecktes Schweizer Café, mit deutschem Brot in der Auslage (wir bekamen große Augen) und einem netten Inhaber, der uns sogleich auf deutsch ansprach. Während Tee und Kaffee beendete der Regen sein Unwesen und der Himmel zeigte blaue Stellen, die im Laufe des Nachmittags die Oberhand gewannen. Wir fuhren danach zu einer kleinen Wanderung um die Okere Wasserfälle, ein sehr bekanntes Raftinggebiet, in dem man sich die 7m hohen Wasserfälle auch herunter stürzen muss und Wiki zeigte uns einige Heilpflanzen, die wir auch probiert haben. Aus Kawa-Kawa, einer Pfefferpflanze haben wir zum Mittagessen noch Tee bekommen. Ich meine, er riecht ein bissl wie Glühwein, Ronald meinte, ich halluziniere. Nach der Wanderung gab es ein ordentliches Mittagessen im Biergarten des Okere Falls Store. Der Inhaber kommt aus Kaufbeuren und serviert auch Bratwürste mit Sauerkraut. Selbstverständlich wird hier im Oktober auch ein Oktoberfest veranstaltet. Wir durften eine Wurst am Stiel probieren (also wirklich ein Holzstiel in die Wurst gesteckt), hat geschmeckt, war aber keine weiße Bratwurst, eher eine Rotwurst, aber sehr weich. Nach dem Mittagessen kam noch der entspannende Teil, ein Hot Pool. Wir fuhren zu den Waitangi Soda Springs, und, waren allein. Wir hatten tatsächlich den gesamten Teich mit heißen und einer kalten Quelle komplett für uns. Das Wasser war so heiß, dass es tatsächlich ein bissl gebraucht hat um reinzukommen. Wiki hatte Schwimmnudeln dabei, in die konnte man sich bequem hineinlegen und entspannen. Ich suchte nach 15 Minuten die kalte Quelle auf, denn, anders als die eigene Badewanne wird das Wasser ja nicht kühler und 38 Grad hatte es bestimmt. Wirklich abkühlend ist aber nicht, das Wasser wird zwar etwas kälter, dafür ist der Boden umso heißer. Nach einer halben Stunde mussten wir raus, lauten Wiki sollten wir nicht duschen, damit die Mineralien unsere Haut noch ein bissl entgiften können. Danach waren wir reif für unsere Seeterrasse. Wiki hat uns im Übrigen sehr viel über die Kultur und Geschichte der Maori erzählt. Ich saß vorn bei ihr im Auto und Ronald war froh, dass ich meine vielen Worte des Tages auch mal wieder mit jemand anderem teilte ;-). Damit neigt sich unsere Zeit im Hexenkessel leider schon dem Ende entgegen, morgen geht es weiter Richtung Coromandel. Wir ließen den Tag gemeinsam mit unserer Gastgeberin bei einem Glas Wein ausklingen.

11November
2019

Ohakune

Unser nächstes Ziel war Ohakune, doch zunächst mussten wir wieder runter von Kapiti Island. Die Wetterprognose für diesen Tag war desaströs, wir wurden am Morgen aber dennoch mit Sonnenschein begrüßt. Nach einer herzlichen Verabschiedung von den am Vortag kennen gelernten Neuseeländern waren wir gerade mit unseren Rucksäcken auf dem Weg zum Sammelpunkt als der erste Schauer kam. Ohne Vorwarnung, von jetzt auf gleich Dusche. Wir warteten den Regen ab und liefen alle zurück zum Strand, kaum angekommen, die nächste Dusche, diesmal mit mehr Druck. Die 5 Minuten bis die Fähre da war reichten aus, um schon mal alles schön nass zu machen. Auch auf dem Festland goss es in Strömen, sodass wir nun völlig durchnässt ins Auto springen mussten. Da sich das Wetter auf der Fahrt nach Norden nur unwesentlich besserte und wir nirgendwo Lust hatten noch mal für längere Zeit auszusteigen, waren wir natürlich viel zu früh in Ohakune. Da ich Mount Ngauruhoe (keine Ahnung, wie man das ausspricht, aber er ist besser bekannt als der Schicksalsberg in Mordor) unbedingt sehen wollte, habe ich solange genervt, bis wir noch hinter ins Whakapapa Village gefahren sind. Wir sagen es mal so, aufgrund des starken Windes konnte man erahnen, dass unter all den Wolken irgendwo Berge bzw. Vulkane sein müssen. Frustriert ging es zurück nach Ohakune, dabei sind wir in einen so starken Regenschauer geraten, der jedes Auto wieder sauber bekommen hätte (wie wir am nächsten Morgen erfahren haben, waren genau zu diesem Zeitpunkt andere Gäste unserer Lodge ganz in der Nähe wandern, ihnen ist das Wasser in die Schuhe gelaufen, nicht mal der sonst immer dichte Regenschutz des Wanderrucksacks hat die Wassersäule halten können). Unsere Lodge war mal wieder mit Farm :-) und es gab Alpakas und Schafe, darunter ein 4 Wochen junges Waisenlämmchen, welches von Hand gefüttert wird. Wir verbrachten den restlichen Nachmittag mit ausruhen, denn draußen regnete es weiter. Zum Abendessen ging es die Osteria in Ohakune, von uns eine Empfehlung. Wir waren dort an beiden Abenden, es schmeckte wunderbar und die Portionen sind so riesig, dass es für mich nie schaffbar war. Wir hatten neben Lasagne und Nudeln auch eine ganz zarte Ente und superzarte Ochsenbäckchen, wirklich ein Genuss. In der Nacht hat es dann derart geschüttet, dass in Auckland die Kanalisation übergelaufen ist und nun für zahlreiche Strände eine Fäkalienwarnung gilt – Igittigitt.

Am nächsten Morgen, Sonnenschein. Nach einem guten Frühstück durften Ronald und ich Mindy, das Lamm füttern gehen, so richtig mit Flasche :-). Peter, unser Gastgeber hat uns dabei erzählt, dass auch eines seiner anderen Schafe von Hand aufgezogen ist und es noch heute, mit 6 Jahren, über das ganze Grundstück gerannt kommt, wenn er es ruft. Seine Alpakas seien im übrigen eher hochnäsig und schauen seine Gäste nicht mal mit dem Hintern an. Gegen 10 Uhr, also nachdem es sich wieder ordentlich zugezogen hatte, sind wir dann auch los, zum Wanderparkplatz des Tongario Alpine Crossing. Den gesamten Track mit fast 20 km hatten wir aufgrund der Magen-Darm-Grippe schon vorher für uns abgeschrieben, aber wir wollten wenigstens ein Teilstück laufen. Da auf dem Track wohl im Durchschnitt 2 Wanderer täglich gerettet werden müssen, stehen seit letzter Woche am Beginn des Tracks Schilder, ob eine Begehung empfohlen wird oder nicht. Heute stand das Schild auf ‚Nicht empfohlen‘, die Sicht war immer noch bei Null, starker Wind, immer wieder Schauer und gefühlte Temperaturen von -6 Grad waren auch nicht gerade einladend. Da einige Touristen sich wohl auch dann noch wie Deppen aufführen, stand sofort ein Ranger bei uns und fragte was wir vorhaben. Ronald hat ihm versichert, dass wir nur ein bissl herumlaufen (was auch sonst, bei inzwischen nur noch max. 4 Stunden Parkdauer). Er hat noch mal einen Vortrag über die Gefahren und schnell umschlagendes Wetter gehalten und ist wieder in sein Auto gestiegen um weiter Wache zu halten. Wir können es ja irgendwo nachvollziehen, aber es nervt schon, es wird niemandem Eigenverantwortung zugetraut. Gerade als wir unsere Wanderschuhe angezogen hatten und loslaufen wollten…Regendusche und zwar wieder ordentlich. Wir also wieder ins Auto gesprungen und frustriert überlegt, was wir tun. Fünf verschiedene Wetterberichte später und immer noch keinen Plan hörte der Regen wieder auf und wir beschlossen einfach loszulaufen. Das war eine gute Entscheidung. Es tröpfelte zwar immer mal wieder, aber sonst blieb es bis zu den Soda Springs trocken und mit dem Nebel sah es auch irgendwie mystisch aus. Wir kehrten an dem Wasserfall um, aber nicht wenige Wanderer wagten sich in den Anstieg zum Krater, der recht schnell im dichten Nebel verschwand. Während wir langsam zurück liefen (hin und zurück übrigens trotzdem ca. 9 km) riss der Himmel doch noch auf. Nach und nach verzogen sich die Wolken und als wir zurück an der Hütte waren, hatte sich der Schicksalsberg befreit, was für ein schöner Anblick. Zurück am Auto war die Sicht noch besser geworden und auch das Skigebiet um Mt. Ruapehu war nun sichtbar. Da ich Hunger hatte, sind wir noch mal zu dem Skidorf vom Vortag gefahren, von welchem man einen grandiosen Ausblick hatte. Wir kehrten im Chateau Tongario ein und kamen uns mit unseren Wandersachen etwas deplatziert vor in dem großen Teesalon mit roten Ohrensesseln, aber egal. Danach ging es zurück in die Lounge, wo ich es nicht lassen konnte, Mindy – die sich das gefallen ließ – am ganzen Kopf und Hals zu kraulen. Leider hat sie nach 5 Minuten dann doch kapiert, dass ich keine Milch mithatte und ist beleidigt abgedampft. Morgen geht es weiter nach Rotoura, wir hoffen auf gutes Wetter.